AfD-Spitzenkandidat Siegmund
Das schafft sonst nur Alice Weidel
06.09.2026 – 06:46 UhrLesedauer: 6 Min.
Nie war ein AfD-Wahlkampf so professionell, nie ein AfD-Kandidat so beliebt wie derzeit in Sachsen-Anhalt. Siegmunds Aufstieg birgt potenziell Sprengstoff für die Parteispitze.
Alice Weidel trägt weißen Blazer, weiße Bluse, weiße Perlenkette. Sie steht auf der Bühne im Magdeburger Kulturhaus und lobt Ulrich Siegmund. „Ich habe das Gefühl, dass du schon zwei Jahre Wahlkampf machst“, sagt die AfD-Bundeschefin. „Ich habe so einen Wahlkampf noch nie gesehen.“ Das mache sie „unglaublich stolz“.
Es ist der Wahlkampfabschluss der AfD Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Der letzte Abend vor der Wahl, die für die gesamte AfD so wichtig ist: Die absolute Mehrheit und damit eine Alleinregierung, die so schwierig zu erreichen ist – hier hat die AfD eine realistische Chance darauf. Die Bässe pumpen, das Konfetti regnet, Spitzenkandidat Siegmund strahlt.
Doch ob sie es wirklich schaffen, da sind sie auch in der AfD unsicher. Die Redner auf der Bühne rufen Siegmund zwar einerseits bereits zum Ministerpräsidenten aus. Andererseits aber fordern sie ihre Zuschauer im Saal und vor den Livestreams eindringlich auf, noch rasch Nachbarn, Familie, Freunde für die Wahl zu aktivieren.
Was, wenn es doch nichts wird mit der Alleinregierung? Diese Frage dürften sich auch Alice Weidel und Tino Chrupalla, die beiden AfD-Bundeschefs, stellen. Denn Siegmund hat sich im vergangenen Jahr zu einer veritablen potenziellen Konkurrenz gemausert.
Die Bundesspitze hat wenig mit diesem Erfolg zu tun
Weidels Lob von der Bühne fasst in Kürze zusammen, was für die AfD Sachsen-Anhalt ein einjähriger Kraftakt war. Hunderte Veranstaltungen mit vielen Tausenden Besuchern haben sie organisiert: Infostände, Bürgerdialoge, Simson-Ausfahrten, sogenannte Familienfeste. Währenddessen haben sie ein neues Netz von alternativen Medien aufgebaut, zugleich mehrstufige Kampagnen gegen ihre größte Konkurrenz, die CDU, gestartet.
Nie war ein AfD-Wahlkampf so professionell durchorchestriert. Und nie war ein AfD-Landesverband am Ende in den Umfragen erfolgreicher, nie war ein AfD-Spitzenkandidat für eine Landtagswahl so beliebt.
Der Anteil der AfD-Bundesspitze an diesem Erfolg ist gering. Der Bundesvorstand hat Geld zugeschossen, wie immer bei Landtagswahlkämpfen. Die Sachsen-Anhalter haben dabei nach Informationen von t-online mehr Geld beantragt und auch erhalten als ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern. Auch dort ist die AfD derzeit stärkste Kraft, dort wird in zwei Wochen gewählt.
