IS-Prozess in Düsseldorf
Terrorprozess gegen Syrien-Rückkehrerin gestartet
30.09.2026 – 17:27 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine 34-Jährige aus Herne soll sich dem IS angeschlossen haben und ihre Kinder mit ins Kriegsgebiet genommen haben. Nun beginnt ihr Prozess am Oberlandesgericht.
Am Düsseldorfer Oberlandesgericht hat der Prozess gegen eine 34-jährige Frau aus Herne begonnen. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihr vor, zwischen 2015 und 2017 Mitglied der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gewesen zu sein. Zudem steht sie wegen Kriegsverbrechen vor Gericht – und weil sie ihre beiden Kleinkinder mit in das syrische Kriegsgebiet genommen haben soll.
Die Angeklagte erschien zum Prozessauftakt mit schwarzem Kopftuch, hellem Hemd und Jeans. Laut Anklage reiste die Deutsch-Libanesin vor elf Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern nach Syrien. Die Tochter war damals sechs Jahre alt, der Sohn erst ein Jahr. Durch die Mitnahme der Kinder in das Kriegsgebiet habe sie das Kindeswohl gefährdet und die Kinder in Todesgefahr gebracht, so der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft.
Während ihr Ehemann sich laut Anklage als IS-Kämpfer an Kampfhandlungen beteiligte, soll die Frau den Haushalt geführt und die Kinder betreut haben. Die Wohnung, in der die Familie lebte, soll der IS zuvor unrechtmäßig in Besitz genommen haben. Außerdem soll die Angeklagte an einer Schießübung teilgenommen und geduldet haben, dass auch ihre minderjährigen Kinder dabei Waffen in die Hand nahmen. Zwischen März und Juni 2016 soll sie viermal je 200 US-Dollar vom IS erhalten haben. Ihr Ehemann kam im Oktober 2017 bei einem US-Drohnenangriff ums Leben.
Schießübungen mit Kindern
Nach ihrer Flucht aus Syrien wurde die Frau zunächst in der Türkei festgenommen. Im Februar 2019 reiste sie mit ihren Kindern nach Deutschland ein. Sie befindet sich auf freiem Fuß.
Ihr Verteidiger kündigte beim Prozessauftakt an, seine Mandantin werde zu den Vorwürfen Stellung nehmen – allerdings erst am nächsten Verhandlungstag, da sie nach all den Jahren sehr aufgeregt sei. Aus Justizkreisen hieß es, die Angeklagte habe die Vorwürfe im Vorfeld des Prozesses bestritten. Der Verteidiger bestätigte am Rande der Verhandlung, dass seiner Mandantin zunächst das Sorgerecht für die Kinder entzogen worden sei, es ihr aber bereits 2020 wieder zugesprochen worden sei. Das Strafverfahren gegen sie sei zudem schon einmal eingestellt und nach neuen Hinweisen wieder aufgenommen worden. Das Gericht hat sieben Verhandlungstage angesetzt.
