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Agrarminister alarmiert

Dieses Tier bedroht Ernten in ganz Europa


Aktualisiert am 05.09.2025 – 14:10 UhrLesedauer: 2 Min.

Glasflügel-Zikaden auf einem Blatt: Die Tiere ernähren sich von Pflanzensaft – und übertragen Krankheiten auf Feldfrüchte wie Kartoffeln und Rüben. (Quelle: imago stock&people)

In diesem Jahr ist die Kartoffelernte noch gut ausgefallen. Doch Landwirte blicken mit Sorge in die Zukunft. Schuld ist eine invasive Insektenart.

Sie ist kaum acht Millimeter groß, bedroht nach Ansicht von Fachleuten aber die Lebensmittelsicherheit in ganz Europa: die Schilf-Glasflügelzikade. Wegen der Erderhitzung breitet sich das Insekt aus dem Mittelmeerraum seit den 90er-Jahren in Richtung Norden aus. Es befällt Kartoffeln, Rüben und Gemüsesorten wie Spargel, von deren Pflanzensaft es sich ernährt. Dabei überträgt das Tier Bakterien, die ganze Ernten verderben können. Nun schlägt auch Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) Alarm.

„Die Glasflügelzikade ist ein großes Problem“, sagte Rainer bei der Vorstellung des Ernteberichts 2025 am Donnerstag in Berlin der „Bild“. Das Insekt verursache massive Ernteausfälle, teilweise „bis zu 100 Prozent“, so der Minister. „Das können wir so nicht weiter hinnehmen.“ Man müsse „schnellstmöglich“ zusehen, die Verbreitung der Zikade einzudämmen.“

In Deutschland hat sich die Zikade, die pro Jahr etwa 50 Kilometer zurücklegt, bislang vor allem im Süden ausgebreitet. In Bayern etwa drohen durch die Zikade künftig Ausfälle bei der Kartoffelernte von 30 bis 50 Prozent, hieß es am Donnerstag bei der Vorstellung des Landesernteberichts im bayerischen Wallersdorf. Um die Ausbreitung des Schädlings einzudämmen, gebe es vor allem zwei Optionen, erklärte die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU).

So habe sich der Verzicht auf den Anbau von Winterweizen nach Zuckerrüben oder Kartoffeln als erfolgreich erwiesen. Die im Boden lebenden Zikaden-Larven (Nymphen) fänden dann zu wenig Nahrung. Eine andere Möglichkeit ist die Notfallzulassung von Pflanzenschutzmitteln in betroffenen Regionen. Zudem investiere der Freistaat in Forschungsprojekte, etwa zwei Millionen Euro seien es im Jahr 2024 gewesen.

Ob sich die Zikaden mit dieser Methode eindämmen lassen, ist aber noch unklar. Nach Angaben von Agrarminister Rainer gibt es derzeit noch kein wirksames Mittel gegen die Insekten. Das Julius-Kühn-Institut, das im Auftrag des Bundes zu Fragen der Landwirtschaft forscht, arbeite derzeit mit Hochdruck daran, eine Lösung zu finden, „die schnell machbar ist“, so Rainer. Dem Institut zufolge waren voriges Jahr bundesweit rund 100.000 Hektar allein bei Kartoffeln und Zuckerrüben von Schilf-Glasflügelzikade befallen.

In Bayern fiel die Kartoffelernte in diesem Jahr aber noch gut aus. Landwirtschaftsministerin Kaniber rechnet mit einer Menge von 12,6 Millionen Tonnen. Das liegt auch an der gewachsenen Anbaufläche für Kartoffeln, die in Bayern in diesem Jahr mit knapp 40.000 Hektar um 3,6 Prozent gewachsen ist im Vergleich zum Vorjahr. Bundesweit zählt Bayern zu den Hauptanbaugebieten für die Kartoffel. Zugleich fürchten viele Bauern um ihre Existenz, sollte sich die Glasflügelzikade weiter ausbreiten.

„Wenn ganz Europa von der Zikade erobert ist, haben wir definitiv ein Ernährungsproblem“, warnte kürzlich Christian Lang, Geschäftsführer des Hessisch-Pfälzischen Zuckerrüben-Anbauer-Verbands, im Bayerischen Rundfunk.

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