„Systematisch benachteiligt“
Bürgerinitiative fordert faire Zinsen von ihrer Sparkasse
09.09.2026 – 14:38 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Sparkasse Trier steht im Zentrum einer ungewöhnlichen Forderung: Eine Bürgerinitiative verlangt faire Zinsen und mehr Transparenz. Doch das Geldinstitut verteidigt seine Geschäftspolitik.
Sparkassen genießen in Deutschland traditionell einen guten Ruf. Doch ihr Image gerät zunehmend ins Wanken. Laut einer YouGov-Umfrage haben Direkt- und Onlinebanken wie die ING in den vergangenen Jahren die Sparkassen in der Gunst vieler Verbraucher überholt. Diese gelten als moderner und vor allem günstiger.
Zentrale Kritikpunkte: versteckte Kosten, hohe Kontoführungsgebühren und die zögerliche Weitergabe von Sparzinsen an die Kundinnen und Kunden. Hier setzt eine Bürgerinitiative aus Trier an. Sie fordert von der Sparkasse Trier 2 Prozent Zinsen aufs Girokonto und löst damit Diskussionen aus.
Bürgerinitiative sucht Öffentlichkeit
Die Bürgerinitiative „Sparkasse Trier, aber anders“ wirft der Sparkasse vor, ihre Kundinnen und Kunden „systematisch zu benachteiligen“. Angebote seien „unvorteilhaft“ und „schwierig nachzuvollziehen“, berichtet der SWR.
Simon Drobig, Mitgründer der Initiative, kritisiert insbesondere die niedrigen Zinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Nach seinen Berechnungen behält die Sparkasse jährlich rund 20 bis 40 Millionen Euro an Zinseinnahmen ein, die aus seiner Sicht an die Kundschaft weitergegeben werden könnten.
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„Die Sparkasse sollte als öffentlich-rechtliche Bank das Gemeinwohl stärker gewichten als den eigenen Gewinn“, fordert Drobig laut SWR. Angesichts des aktuellen EZB-Leitzinses von 2,25 Prozent hält er eine Verzinsung von 2 Prozent für angemessen.
Nachdem mehrere E-Mails an den Verwaltungsrat und den Vorstand der Sparkasse unbeantwortet geblieben waren, entschied sich Drobig, gemeinsam mit Gleichgesinnten an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Initiative will eine breite Diskussion anstoßen und fordert mehr Transparenz.
Sparkasse Trier weist Vorwürfe zurück
Die Sparkasse Trier, die rund 175.000 Kundinnen und Kunden in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg betreut, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Sie betont, dass die Zinseinnahmen für gesetzlich vorgeschriebene Rücklagen und Eigenkapital benötigt werden, um Kredite vergeben zu können.
Darüber hinaus verweist die Sparkasse auf ihren öffentlichen Auftrag. Dieser umfasse nicht nur die Bereitstellung verlässlicher Finanzdienstleistungen, sondern auch die Förderung der regionalen Wirtschaft und des Gemeinwohls. Mit 36 Filialen und 82 Geldautomaten stelle die Sparkasse die Bargeldversorgung sicher und unterstütze zahlreiche Projekte in Kultur, Sport und Jugendarbeit.
„Wer pauschal von ’nicht weitergegebenen Zinsen‘ spricht, blendet diese Leistungen aus“, erklärte eine Sprecherin der Sparkasse Trier gegenüber dem SWR.
