September 10, 2026 4:52 a.m. CEST

Wenn Unwissenheit lebensgefährlich wird

Für viele Australier ist Wilgas Fall symptomatisch für ein wiederkehrendes Problem: Touristen, die sich in abgelegene Regionen wagen, ohne die grundlegende Überlebensregeln zu kennen. Häufig kommt es etwa zu schweren Unfällen mit Wildtieren wie Kängurus und immer wieder gibt es auch Geschichten, die denen von Wilga ähneln. Da gibt es etwa den Fall aus dem Jahr 2022, bei dem eine Frau, die in der Kimberley-Region in Norden von Westaustralien mit dem Auto liegen blieb. Sie hinterließ ihre Schuhe auf einem staubigen Buschpfad, bevor sie sich auf einen mehrere Kilometer langen Marsch begab. Sie wurde vier Tage später völlig erschöpft, aber lebend gefunden.

„Die Regel Nummer eins bei mechanischen Problemen im Busch ist, immer beim Auto zu bleiben“, sagte die australische Bush-Survival-Expertin Kelli Jackson gegenüber ABC News, nachdem Wilga gefunden wurde. „Der Grund, warum wir bei unserem Fahrzeug bleiben, ist, dass es viel einfacher aus der Luft zu sehen ist.“ Die ehemalige Such- und Rettungsarbeiterin betont allerdings, dass die Stressreaktion in einer Notfallsituation Menschen irrational handeln lassen kann. Der Schock und die extreme Dehydration können dazu führen, dass Menschen „wirklich seltsame Dinge“ tun – wie ihre Ausrüstung wegwerfen, in eine zufällige Richtung rennen oder all ihr Equipment zurücklassen.

Auch in den sozialen Medien wird dieses Detail nun wieder diskutiert. „Regel Nummer eins: Hab immer einen Notfallsender dabei und verlass niemals das Auto! Sie hatte Glück!“, kommentierte ein australischer Nutzer unter einem Nachrichtenartikel über Wilga. Auch in deutschen Kommentarspalten regt sich unter einem Posting des WDR etwa Unmut. „Naja, es war schon sehr fahrlässig ohne Funk oder Starlink allein in den Busch zu fahren. Selbst ein GPS-SOS Signal kostet kaum 200 Euro und gibt es in WA überall zu kaufen“, schreibt ein Nutzer. Eine andere Person wird deutlicher: „Hier in Australien ist sie keine Heldin, sie hat alles falsch gemacht, war schlecht vorbereitet. Und es ist immer wieder ärgerlich, dass die australischen Suchtrupps Touristen im Outback retten müssen. Kein Wasser, keine Zivilisation!! Todesgefahr… Australien ist nicht Deutschland.“

Westaustraliens Premier Roger Cook sagte nach Wilgas Rettung: „Jeder, der nach Westaustralien reist, sollte immer berücksichtigen, wie gefährlich unser Buschland und unser Outback sein können. EPIRBs (Notfall-Positionssender), Satellitentelefone – solche Dinge sind wirklich hilfreiche Ideen, wenn man allein ins regionale WA fährt.“

Wilga selbst schrieb in einer Stellungnahme aus dem Krankenhaus kurz nach ihrer Rettung, sie habe die Kontrolle über ihren Van verloren, sei einen Hang hinuntergerollt und habe sich dabei den Kopf gestoßen. „Infolge des Unfalls verließ ich mein Auto in einem Zustand der Verwirrung und verirrte mich“, schrieb sie. Sie habe Wasser, Essen und Kleidung im Auto gehabt, aber die Stelle verlassen. In ihrem Buch nimmt die Darstellung eine weitere Wendung: Ihr sei auf einer Landstraße im Dunklen ein anderer Wagen entgegengekommen. Sie sei ausgewichen und habe die Kontrolle über ihren Van verloren. Durch den heftigen Aufprall erlitt sie demnach ein Schädel-Hirn-Trauma und verlor zeitweise das Bewusstsein. „Ich sehe mich herumirren und erinnere mich an Halluzinationen. Aber an den Unfall selbst und die Nacht danach habe ich keine konkrete Erinnerung“, sagte Wilga etwa im Interview mit t-online.

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