Die Freien Wähler drifteten nach rechts
Aiwanger hatte die Partei nach rechts geöffnet. Manche empörten sich, er werbe mit AfD-Sprech. Erst Aiwanger habe die Freien Wähler zur Rechtspartei gemacht. In der CSU nannten manche Aiwanger einen „Problembären“, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.
Teilweise wurden die Konflikte aber auch öffentlich ausgetragen. Aiwanger warnte die CSU vor Abgrenzung zu seiner Partei: „Ich würde der CSU empfehlen, jetzt nicht so mädchenhaft aufzutreten.“ Im t-online-Interview sagte er einst: „Andere sind neidisch auf uns, das ist unser politisches Tagesgeschäft.“
Aiwanger ließ sich nicht beirren. Er provozierte, auch um AfD-Klientel für sich zu gewinnen. 2016 ließ er einen Bus mit 31 Syrern vor das Kanzleramt schicken, um gegen die Geflüchtetenpolitik zu protestieren. Während der Corona-Pandemie wetterte Aiwanger gegen Impfungen. Seine Weigerung, sich impfen zu lassen, wurde auch für Söder zum Problem.
Später lehnte er sich lauthals gegen das Heizungsgesetz auf. Bei einer Demonstration in Erding rief er, „die schweigende große Mehrheit dieses Landes“ müsse sich „die Demokratie wieder zurückholen“.
Kurz vor der Landtagswahl 2023 deckte die „Süddeutsche Zeitung“ dann auf, dass Aiwanger während seiner Schulzeit mit einem antisemitischen Hetzblatt erwischt worden war. Das war dann auch der CSU zu viel, Aiwanger stand kurz vor dem Rausschmiss. Doch er überstand den Skandal. Sein Bruder nahm die Schuld für das Flugblatt auf sich.
Aiwanger grenzte sich von der AfD ab
Aiwanger verstand sich trotz allem immer als Demokrat. Als ihn jemand mit dem langjährigen ungarischen Herrscher Viktor Orbán verglich, sagte er: „Das muss ich nicht haben.“ Seine Partei habe nicht vor, „in die Extreme zu gehen“. Auch wenn Aiwanger sich immer wieder für rechtspopulistische Themen öffnete, blieb er in der Abgrenzung zur AfD dennoch klar. Seine Partei fasste einen Unvereinbarkeitsbeschluss, er schloss jede Zusammenarbeit aus.
Vor Themenüberschneidungen schreckte er allerdings nicht zurück. „Ich schaue nicht bei jedem Thema, was die AfD sagt, sondern ich nenne die Dinge schon seit vielen Jahren beim Namen, schon bevor es die AfD gab“, sagte er t-online.
Die Bierzelte waren Aiwangers Bühne
Für die Menschen blieb Aiwanger vielleicht gerade deswegen stets authentisch. Sein niederbayerischer Dialekt wurde oft verspottet, viele nahmen ihn deshalb weniger ernst. Doch Aiwanger ignorierte das, er gab gerne den Außenseiter vom bayerischen Land. Aiwanger war Agraringenieur, bis zuletzt lebte und wirkte er am elterlichen Hof in Rahstorf bei Rottenburg an der Laaber, wo vor allem Schweine gezüchtet wurden. „Sie machen einen Haufen Arbeit“, sagte Aiwanger einmal dem „Focus“ über die Säue, „aber man holt am meisten Ertrag heraus“.
