August 16, 2026 9:45 a.m. CEST

Pilotprojekt in Schleswig-Holstein

Hier füllt das Finanzamt für Rentner die Steuererklärung aus


16.08.2026 – 07:51 UhrLesedauer: 3 Min.

Viele Rentner schrecken vor Formularen zurück, Schleswig-Holstein schafft bei der Steuer jetzt Abhilfe. (Symbolbild) (Quelle: shapecharge/getty-images-bilder)

Rund 42 Prozent der Rentner in Deutschland sind steuerpflichtig. Erste Bundesländer bieten dabei Erleichterungen an. Ein Blick auf einen Pilotversuch in Schleswig-Holstein.

Die Zahl ist offiziell. Sie stammt aus einer Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums. Acht bis zehn Stunden brauchen Deutschlands Rentner, um ihre Steuererklärung auszufüllen. Oft sind dabei auch Angehörige im Einsatz. Es geht um Belege und aufwendigen Papierkram.

Schleswig-Holstein geht bei der Steuererklärung in diesem Jahr in einem Pilotversuch einen anderen Weg. „Die Steuer macht jetzt das Amt“, heißt ein Projekt in dem Bundesland. Rund 90.000 Steuerpflichtige wurden angeschrieben, überwiegend Rentner. Das Angebot: Das Finanzamt selbst erstellt anhand der vorliegenden Steuerdaten einen Vorschlag für einen Steuerbescheid. Wer keine Einwände hatte, brauchte der Steuererklärung vom Amt nur noch zuzustimmen – schriftlich per Rückantwort oder digital über einen beigefügten QR-Code. Die Verwaltung bewegt sich.

Das liegt auch an Thomas Osbahr. Der Steuerexperte hat das Projekt mit seiner Kollegin Katrin Müller im Kieler Finanzministerium federführend betreut. Osbahr sagt t-online über die Resonanz: „Das Feedback der Steuerzahler ist fast einhellig positiv.“ Neben Osbahr sitzt Katrin Müller und zitiert im Gespräch aus einer Mail von einem Finanzamt an das Ministerium: „Wir hoffen alle, dass das Projekt fortgesetzt wird.“

Rund 42 Prozent der Rentner in Deutschland sind steuerpflichtig. Der Bericht der Expertenkommission „Wege zu einer bürgernahen Einkommensteuer“ kam vor zwei Jahren im Auftrag des Bundesfinanzministeriums mit Blick auf die Steuererklärung für Rentner und Pensionäre zu dem Schluss: Ein „Überblick zeigt, dass die derzeitige Besteuerung von Alterseinkünften durch ein Nebeneinander von nachgelagerter und vorgelagerter Besteuerung (mit Ertragsanteilserfassung) charakterisiert ist“. Eine verwirrende Vielfalt. Von „einigen Problembereichen“ spricht die Studie weiter. So ist vielen Rentnern schlicht unklar, dass sie überhaupt steuerpflichtig sind.

Bis zu zehn Stunden Arbeit für Steuererklärung fallen weg

Thomas Osbahr im Kieler Finanzministerium kennt den Bericht. Er kann weitere Zahlen und Fakten sogar mit der entsprechenden Seitenangabe zitieren. So hält der Bericht des Berliner Finanzministeriums unter anderem fest: „Die Daten bestätigen, dass sich Steuerpflichtige nach der aktuellen Rechtslage immer häufiger noch bis ins hohe Alter mit der eigenen Einkommensteuererklärung auseinandersetzen müssen.“

Auch von „psychologischen Kosten für Rentner“ spricht die Studie. Häufig werden Angehörige in das Ausfüllen des Formulars eingespannt. Schleswig-Holstein steuert nun gegen. Finanzministerin Silke Schneider (Bündnis90/Die Grünen) erklärte zum Start des Pilotprojekts: „Unser Ziel ist es, die Steuererklärungspflicht erheblich zu vereinfachen und den Menschen spürbare Erleichterung zu verschaffen.“

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