August 16, 2026 10:33 a.m. CEST

Vorreiter des Booms

Das war Deutschlands erstes SUV


16.08.2026 – 09:15 UhrLesedauer: 2 Min.

Vorreiter mit Startschwierigkeiten: Der VW Golf II Country nahm das Erfolgsrezept moderner Kompakt-SUVs vorweg, fand Anfang der Neunziger aber kaum Käufer.

Ein kompakter Viertürer aus dem Jahr 1990 gilt als erstes deutsches SUV – und damit als Vorläufer moderner Kassenschlager. Doch der Markt war damals noch nicht bereit. Das Auto floppte. Heute ist es ein begehrtes Sammlerstück.

Die Mercedes M-Klasse von 1997 gilt vielen als erstes deutsches SUV. Doch streng genommen kam Stuttgart damit mehrere Jahre zu spät. Bereits 1990 rollte in Wolfsburg ein Auto vom Band, das die Käufer damals kaum verstanden – und dessen Nachfahren heute von Sammlern gesucht werden: der VW Golf II Country.

Ein Rezept, das heute Milliarden einbringt

Fachjournalisten belächelten den Wagen damals. Ihm fehle die wuchtige, eigenständige Karosserie, hieß es. Er sei lediglich ein hochgebockter Kompaktwagen. Doch gerade dieses Argument zeigt, dass Volkswagen ein Prinzip vorwegnahm, das später den Markt prägen sollte.

Golf mit Geländewagen-Ambitionen: Bei Steyr-Daimler-Puch in Österreich wurde der Golf II auf einen Rohrrahmen gesetzt und mit Offroad-Zubehör ausgerüstet.

Denn das machen heutige Erfolgsmodelle wie der Skoda Karoq oder der Ford Puma: Sie nutzen die technische Basis normaler Kompakt- oder Kleinwagen, bieten etwas mehr Bodenfreiheit, eine höhere Sitzposition und verkaufen einen Hauch von Abenteuer. VW hatte nicht den falschen Gedanken. VW war nur zu früh dran.

Echter Schlamm statt falscher Schein

Viele moderne SUVs besitzen nur Frontantrieb. Die Entwickler von Volkswagen setzten dagegen 1990 auf echte Offroad-Technik: Der Country nutzte den Allradantrieb des Golf Syncro.

Mehr als nur hochgebockt: Im Gegensatz zu vielen aktuellen Stadt-SUVs bot der Golf Country mit Allradantrieb abseits befestigter Straßen echte Traktion.

Für die Fertigung organisierte VW eine aufwendige Logistik. Normale Golf-Karosserien aus Niedersachsen wurden zu den Allrad-Spezialisten von Steyr-Daimler-Puch nach Österreich gebracht. Dort setzten Mechaniker die Karosserie auf einen massiven Rohrrahmen. Das Ergebnis: 18 Zentimeter Bodenfreiheit, Rammbügel, Unterfahrschutz und ein offen montiertes Reserverad an der Heckklappe.

Der Country bot damit vieles von dem, was Autokäufer heute an SUVs schätzen: bessere Übersicht, bequemeres Einsteigen und das Gefühl, für fast jeden Untergrund gerüstet zu sein.

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