Statistik des Medizinischen Dienstes
2025: Knapp 100 Menschen sterben durch Behandlungsfehler
Aktualisiert am 20.08.2026 – 16:54 UhrLesedauer: 3 Min.
Tupfer im Körper vergessen, den falschen Patienten operiert: Fehler von Ärzten können gravierende Folgen haben. Was Patienten in solchen Fällen tun können.
Deutschlandweit sind im vergangenen Jahr knapp 3.100 medizinische Behandlungsfehler bestätigt worden. Aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten jährlichen Begutachtungsbericht des Medizinischen Dienstes auf Bundes- und Länderebene geht hervor: In 2.700 Fällen waren die Fehler ursächlich für Schäden; in 97 Fällen waren sie ursächlich für den Tod eines Menschen oder trugen wesentlich dazu bei. Der Medizinische Dienst ging ferner davon aus, dass die Dunkelziffer insgesamt hoch ist.
Rund 150 Vorfälle aus dem Jahr 2025 stuften die Gutachter als besonders schwerwiegend ein – in Fachkreisen werden solche Ereignisse auch als „Never Events“ bezeichnet, die unbedingt zu vermeiden sind. Dazu zählen gravierende Medikationsfehler, im Körper vergessenes Operationsmaterial oder die Verwechslung von Patienten oder Körperseiten. 2024 hatte es 134 Fälle dieser Art gegeben.
Behandlungsfehler in Deutschland: 11.700 Verdachtsfälle
Insgesamt untersuchten die Gutachter bundesweit rund 11.700 vermutete Behandlungsfehler, von denen letztlich etwa ein Viertel oder 3.098 als solche offiziell bestätigt wurden. Zwei Drittel der vermuteten Fälle bezogen sich den Angaben zufolge auf stationäre Behandlungen vor allem in Krankenhäusern, etwa ein Drittel entfiel auf den ambulanten Bereich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland im Jahr 2024 allein 17,5 Millionen Menschen stationär in Kliniken behandelt.
Fast 30 Prozent der Vorwürfe betrafen 2025 Behandlungen aus dem Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie, andere Fachkreise waren weit weniger vertreten. Rückschlüsse auf das Sicherheitsniveau lasse das aber nicht zu, betonte der Medizinische Dienst. Häufungen von Verdachtsmeldungen in einem Fachgebiet zeigten, dass Patienten auf Ergebnisse reagierten, die nicht ihren Erwartungen entsprächen. Bei chirurgischen Eingriffen seien Fehler für sie in der Regel leichter zu erkennen als in anderen Bereichen.
| Fachgebiet | Zahl der Vorwürfe |
|---|---|
| Orthopädie/ Unfallchirurgie | 3.476 |
| Innere Medizin/ Allgemeinmedizin | 1.246 |
| Frauengesundheit/ Geburtshilfe | 1.099 |
| Zahnmedizin | 1.043 |
| Allgemein-/ Viszeralchirurgie | 961 |
| Pflege | 776 |
| Sonstige Fachgebiete | 3.134 |
Prüfer rechnen mit hoher Dunkelziffer
Weiterhin rechneten die Prüfer mit einer hohen Dunkelziffer. Allgemein gingen Wissenschaftler davon aus, dass es bei zwei bis vier Prozent aller stationären Behandlungen zu „vermeidbaren Schadensereignissen“ komme. Übertragen auf Deutschland entspräche das einer Größenordnung von in etwa 350.000 bis 700.000 entsprechenden Vorfällen pro Jahr. Die Vermeidung von Behandlungsfehlern verhindere daher nicht nur unnötiges Leid, sondern vermeide auch erhebliche Folgekosten im Gesundheitssystem.
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