November 4, 2026 8:03 p.m. CET

Spieler boykottieren Trainer

Münchner Ex-Drittligist versinkt im totalen Chaos


04.11.2026 – 17:17 UhrLesedauer: 3 Min.

Eckfahne mit dem Logo von Türkgücü München (Archivbild): Der Klub steht am Abgrund.

Eckfahne mit dem Logo von Türkgücü München (Archivbild): Der Klub steht am Abgrund. (Quelle: Imago/Ulrich Wagner)

Einst spielte Türkgücü München in der 3. Liga und im DFB-Pokal, nun steht der Klub am Abgrund. Über 20 Spieler starten eine Revolte gegen den Trainer.

Dass Türkgücü München positive Schlagzeilen geschrieben hat, ist schon lange her. Das letzte Mal dürfte im Sommer 2021 gewesen sein. Damals hatte der Klub gerade den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft und sich durch den Gewinn des bayerischen Toto-Pokals erstmals für den DFB-Pokal qualifiziert. Was folgte, war ein kaum vergleichbarer Absturz, der in diesen Tagen seinen traurigen Tiefpunkt erreicht hat.

Etwas mehr als fünf Jahre nach dem wohl erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte spielt der einstige Fußballdrittligist in der Landesliga Bayern Südost, der sechsten Liga. Wobei „spielt“ auch nicht ganz richtig ist. Denn die eigentlich für den vergangenen Freitag (30. Oktober) angesetzte Partie beim VfB Hallbergmoos wurde abgesagt und mit 0:2 gegen die Münchner gewertet. Vorausgegangen war ein Streik von gleich 21 Spielern.

Spieler stellen sich gegen Trainer Skeledžić

Diese hatten bereits das Duell in der Woche zuvor beim FC Wacker München boykottiert und geschlossen von der Tribüne aus verfolgt. Auf dem Feld stand stattdessen eine mit Akteuren aus der eigenen A-Jugend gespickte Mannschaft, die beim Stadtrivalen sang- und klanglos mit 1:6 unterging. Der Protest gelte ausdrücklich nicht dem Verein, sondern richte sich gegen Cheftrainer Slaven Skeledžić, erklärten die Spieler in einer Stellungnahme.

Wie die „Bild“ berichtet, soll der 54-Jährige unter anderem jüngere Spieler früher zum Training beordert haben als ältere Teamkollegen und seine Spieler mehrfach angeschrien haben. Skeledžić ist seit Sommer wieder als Coach bei Türkgücü tätig. Bereits zu Beginn der vergangenen Spielzeit trainierte er den Klub für einige Wochen. Zuvor arbeitete er unter anderem als Nationaltrainer Afghanistans sowie als Co-Trainer von Miroslav Klose im Nachwuchs des FC Bayern und beim österreichischen Bundesligisten SCR Altach.

Slaven Skeledžić (l.) neben Miroslav Klose (Archivbild): Beide arbeiteten beim FC Bayern und beim SCR Altach zusammen. (Quelle: Imago/GEPA pictures)

In ihrem Statement erklärten die Spieler, das Ziel ihres Protestes sei es, „eine Veränderung herbeizuführen, damit wir wieder gemeinsam, mit Freude und voller Überzeugung für Türkgücü München Fußball spielen können“. Vor der Partie gegen Hallbergmoos hätten sie sogar zwei Trainingseinheiten ohne ihren Trainer absolviert und seien bereit gewesen, anzutreten. Kapitän Burhan Bahadir beteuerte im Gespräch mit dem Portal „fupa.net“: „Wir wollten spielen.“

Klubpräsident stärkt seinem Coach den Rücken

Nachdem sich die Verantwortlichen nach dem Spiel gegen Wacker München zunächst in Schweigen gehüllt hatten, veröffentlichte der Klub am Sonntag eine Stellungnahme in den sozialen Medien. Darin hieß es unter anderem: „Meinungen gehören zum Leben wie zum Fußball. Es kann und soll gemeinsam diskutiert werden, jedoch stehen die von der Mannschaft vorgetragenen Argumente in keiner Relation zum Trainings- und Spielboykott.“

Skeledžić habe stets versucht, die Mannschaft „leidenschaftlich, professionell und mit fundiertem Fachwissen“ zu entwickeln und zum Erfolg zu führen. Zudem sei er „jederzeit“ zu einem Dialog bereit gewesen. Der Vorstand stehe „voll und ganz“ hinter dem Trainer. Im Gespräch mit der „Bild“ legte Klubpräsident Ertürk Alagöz noch einmal nach. Er habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, erklärte er: „Und dieser Mann wird zu Unrecht beschuldigt. Ich stelle lieber den Betrieb ein, als gegen diese Spieler einzuknicken.“

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