Besonders deutlich war der Zusammenhang bei hohen Mengen: Bei Menschen, deren Ernährung zu rund 40 Prozent aus Lebensmitteln mit Aromen bestand, lag das Risiko einer späteren Depression 46 Prozent höher als bei einem Anteil von etwa fünf Prozent. Bei farbstoffhaltigen Lebensmitteln betrug der Unterschied bis zu 49 Prozent, bei süßstoffhaltigen bis zu 45 Prozent.
Bei den Süßstoffen zeigte sich allerdings kein einheitliches Bild. Sieben der zehn untersuchten Stoffe – darunter Aspartam, Sucralose und Saccharin – waren mit einem höheren Depressionsrisiko verbunden. Für Isomalt, Maltit und Sorbit fanden die Forscher dagegen keinen solchen Zusammenhang.
Wichtig
Ein Anteil von 20 Prozent „Süßstoff“ heißt nicht, dass ein Fünftel der Nahrung aus Süßstoff bestand. Gemeint ist vielmehr: 20 Prozent der gegessenen Lebensmittelmenge entfielen auf Produkte, die Süßstoffe enthielten.
Wie sah es bei anderen Zutaten aus?
Für Geschmacksverstärker, Verarbeitungshilfsstoffe, modifizierte Stärke, verschiedene Zuckerarten und modifizierte Öle ließ sich dagegen kein verlässlicher Zusammenhang mit dem Depressionsrisiko erkennen.
Das spricht dafür, ultrahochverarbeitete Lebensmittel nicht als eine einzige, einheitliche Gruppe zu betrachten. Entscheidend könnte vielmehr sein, welche Zutaten in diesen Produkten stecken und wie häufig sie auf dem Speiseplan landen.
Aussagekraft der Studie hat Grenzen
Eine solche Beobachtungsstudie kann Zusammenhänge sichtbar machen, aber keine Ursache beweisen. Aus ihr lässt sich also nicht mit Gewissheit schließen, dass Aromen, Farbstoffe oder Süßstoffe Depressionen verursachen oder begünstigen.
Denkbar wäre auch, dass Menschen, bei denen sich bereits erste depressive Veränderungen entwickeln, häufiger zu Fertiggerichten und anderen schnell verfügbaren Lebensmitteln greifen könnten. Die Forscher versuchten, diesen Effekt mit zusätzlichen Berechnungen abzufangen. Die wichtigsten Ergebnisse blieben dabei bestehen. Dennoch lassen sich solche Verzerrungen nie ganz ausschließen.
Eine weitere Schwäche der Studie: Die Ernährungsangaben beruhten auf Selbstauskünften. Zudem wussten die Forscher nicht für jedes tatsächlich gegessene Produkt, welche Zutaten es genau enthielt. Stattdessen schätzten sie dies anhand der Zutatenlisten vergleichbarer Produkte aus britischen Supermärkten.
Was lässt sich daraus für den Alltag ableiten?
Ob und inwieweit Aromen, Farbstoffe und Süßstoffe selbst das Depressionsrisiko erhöhen, lässt sich auf Grundlage der neuen Erkenntnisse nicht sicher sagen. Gleichwohl gibt es gute Gründe, vorwiegend unverarbeitete Nahrungsmittel zu sich zu nehmen – sowohl dem Körper als auch der Psyche zuliebe. Denn wie eingangs erwähnt, wird hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel inzwischen mit einer ganzen Reihe von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht: von Gewichtszunahme bis hin zu einem erhöhten Depressionsrisiko.














