„Stern TV“ in Köln
Günther Jauch: Diesen TV-Skandal erlebte der RTL-Moderator in Köln
Aktualisiert am 10.10.2026 – 08:59 UhrLesedauer: 3 Min.
Günther Jauch ist heute bekannt als Moderator, doch bei „Stern TV“ war er einst Chefredakteur. In dieser Zeit geriet die Sendung in einen Skandal, als sich mehrere Beiträge eines Reporters als frei erfunden herausstellten.
Günther Jauch zählt zu den bekanntesten Fernsehmoderatoren Deutschlands. Er ist vor allem durch die RTL-Quizshow „Wer wird Millionär?“ bekannt, die er seit 1999 moderiert. Über Jahrzehnte war er Chefredakteur bei „Stern TV“, das in Köln-Bocklemünd gedreht wird. Und auch dort machte Jauch Schlagzeilen. In dieser Phase wurden mehrere Beiträge des Reporters Michael Born veröffentlicht, die später als frei erfunden entlarvt wurden.
So zeigte „Stern TV“ unter anderem einen vermeintlichen Bericht über Kinder in Indien, die für Ikea Teppiche herstellen sollten. Auch eine Reportage über ein angebliches Treffen des Ku-Klux-Klans in der Eifel stammte von dem Reporter Born.
Erfundene Szenen statt echter Reportagen
Beide Geschichten waren jedoch inszeniert: Die Szenen mit den Kindern waren gestellt – und auch das Klan-Treffen hatte Born mit Bekannten nachgestellt.
Die gefälschten Reportagen flogen durch ein polizeiliches Gutachten auf, dass die Stimmen des angeblichen Ku-Klux-Klans Redners mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent mit einer Stimme eines Mannes aus einer anderen Reportage von Born übereinstimmen erkannten. Bei der Stimme handelte es sich um einen angeblichen Drogenkurier aus Guadeloupe und einen angeblichen Rauschgifthandel zwischen der Karibik und dem französischen Festland.
Durch die Ermittlungen musste der Reporter 1996 vor Gericht aussagen. Ihm wurden 32 gefälschte Dokumentationen vorgeworfen, wobei 16 davon auch nachgewiesen werden konnten. Wegen vollendeten Betrugs wurde Born 1996 in 17 Fällen verurteilt und musste bis zu vier Jahre in Haft. Ein Jahr später kam er jedoch wieder frei.
Jauch muss vor Gericht aussagen
Auch Jauch musste sich im Prozess zu den gefälschten Beiträgen äußern. Als damaliger Chef von Michael Born wurde er als Zeuge vor Gericht eingeladen. Ein Großteil der gefälschten Reportagen war bei „Stern TV“ ausgestrahlt worden und lagen damit in der redaktionellen Verantwortung von ihm.
Vor Gericht berichtete Jauch, dass er als Chefredakteur die „publizistische Verantwortung“ für die Inhalte der Sendung getragen habe. Gleichzeitig machte er deutlich, wie er seine damalige Aufgabe verstand: Bei der journalistischen Prüfung einer Geschichte habe man vor allem darauf geachtet, ob sie „stimmig“ sei. Ob jede einzelne Information tatsächlich der Wahrheit entsprach, habe er nicht geprüft.
Jahre später äußerte sich Michael Born selbst zu seinen gefälschten Reportagen. In einem Gespräch mit der NDR-Journalistin Anja Reschke erklärte er 2011, er habe für seine Beiträge eine eigene Realität geschaffen, die den Vorstellungen des Publikums entsprochen habe.
