Rauschmittel mit ernsten Risiken
Beschleunigt diese Droge den Beginn von Psychosen?
21.08.2026 – 15:35 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine große Studie zeigt: Bei Cannabiskonsum beginnen Psychosen im Schnitt früher. Für Betroffene kann das schwerwiegende Konsequenzen haben.
Wer eine Psychose erleidet, verliert vorübergehend oder dauerhaft den Bezug zur Realität. Dazu kann es beispielsweise im Rahmen einer Schizophrenie kommen. Betroffene erleben typischerweise Wahnvorstellungen oder Halluzinationen (wie das Hören von Stimmen). Zudem kann ihr Denken gestört sein.
In der Regel zeigen sich Psychosen erstmals in der Jugend oder im Erwachsenenalter. Auf den Beginn scheint auch der Konsum einer beliebten Droge einen Einfluss zu haben. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass Psychosen bei Cannabiskonsumenten deutlich früher auftreten. Die Befunde bestätigen einmal mehr: Cannabis ist keine harmlose Droge – auch dann nicht, wenn man sie erst im Erwachsenenalter konsumiert, wenn also das Gehirn fertig entwickelt ist.
Daten von mehr als 71.000 Menschen ausgewertet
Bei der Studie handelt es sich um eine sogenannte Meta-Analyse. Dafür sichteten die Forscher zu ihrer Fragestellung bereits veröffentlichte Untersuchungen, wählten die wissenschaftlich geeigneten Arbeiten aus und fassten deren Ergebnisse systematisch zusammen.
In die aktuelle Analyse flossen Daten von insgesamt 71.073 Teilnehmern aus 149 Studien ein. 18.272 von ihnen hatten Cannabis konsumiert, 52.801 nicht. Die Wissenschaftler wollten nun wissen, in welchem Alter die Psychosen bei Menschen mit und ohne Cannabiskonsum erstmals aufgetreten waren.
Bei dem Vergleich stellte sich heraus: Bei den Cannabiskonsumenten begann die Psychose im Durchschnitt 2,5 Jahre früher als bei Nichtkonsumenten.
Gut zu wissen
In vielen der ausgewerteten Studien litten die Teilnehmer an Schizophrenie. Bei dieser psychischen Erkrankung treten die Psychosen meist phasenweise auf. Manche Betroffene erleben nur eine oder wenige Episoden, andere haben länger anhaltende Beschwerden und benötigen dauerhaft Unterstützung. Der Begriff Schizophrenie wird oft fälschlich mit einer „gespaltenen Persönlichkeit“ gleichgesetzt. Tatsächlich haben Betroffene keine zweite Persönlichkeit. Vielmehr können Wahrnehmung, Denken und Verhalten phasenweise stark verändert sein.
Der Unterschied zeigte sich auch bei späteren Psychosen
Die Forscher prüften außerdem, ob der Zusammenhang nur bei Psychosen zu sehen ist, die schon in jungen Jahren beginnen. Dafür ordneten sie die Studien danach, in welchem Alter die Teilnehmer im Durchschnitt ihre erste Psychose hatten.
Dann verglichen sie jeweils Cannabiskonsumenten mit Nichtkonsumenten. Das Ergebnis: Auch in Studien, in denen Psychosen erst mit Mitte 20, Ende 20 oder nach dem 30. Lebensjahr auftraten, hatten die Cannabiskonsumenten ihre erste Psychose im Durchschnitt früher.
Dabei wurde der Unterschied mit steigendem Erkrankungsalter sogar größer: Lag der typische Beginn zwischen 20 und 24 Jahren, betrug er 1,6 Jahre. Zwischen 25 und 29 Jahren waren es 4,43 Jahre, ab 30 Jahren 6,3 Jahre.
Das spricht dafür, dass das mögliche Risiko von Cannabis nicht auf Jugend und frühes Erwachsenenalter begrenzt ist.
Warum zweieinhalb Jahre viel ausmachen können
Ob eine Psychose mit 20 oder erst mit 22 oder 23 Jahren beginnt, ist nicht egal. Für Betroffene können diese Jahre entscheidend sein: Gerade in dieser Lebensphase machen viele Menschen einen Schul- oder Berufsabschluss, beginnen ein Studium, starten ins Arbeitsleben oder bauen Partnerschaften und Freundeskreise auf. Eine schwere psychische Erkrankung kann solche Entwicklungen erheblich erschweren.














