Das 191. Oktoberfest ist eröffnet: Die Sonne strahlt, die Festzelte sind voll – aber ein Problem gibt es und könnte doch gelöst werden, meint einer unserer Reporter. Seine Kollegin hält dagegen. Wem stimmen Sie zu?
O’zapft is! Am Wochenende hat das Oktoberfest in München begonnen. Zehntausende Besucher haben die Theresienwiese am Eröffnungstag besucht, in den kommenden Tagen werden Millionen folgen.
Auch in diesem Jahr berichten die Reporter der Münchner Lokalredaktion von t-online über die Wiesn, Verstärkung bekommen sie von einem Kollegen aus dem Rheinland. In dieser Kolumne diskutieren Philip Buchen aus Köln und Carla Gospodarek aus München über die aktuellen Geschehnisse auf dem Oktoberfest.
In der heutigen Ausgabe geht es um die Frage: Ist die Wiesn bereit für die Nicht-Münchner?

Philip BuchenHead Regio West
Die Wiesn muss weltoffener kommunizieren
Diese Ankunft vermiest die Oktoberfest-Vorfreude: Wer als Nicht-Münchner zum Wiesn-Auftakt nach München reist, dem bietet sich am Hauptbahnhof ein tragisches Bild. In der Eingangshalle hängt, wie sonst auch, ein mattes, riesiges Lebkuchenherz.
Wenn man dann mal München-Luft am Eingang schnuppern will, wird man von einer tristen Großbaustelle begrüßt. Klar, der Öffentliche Nahverkehr muss erneuert werden und Baustellen können sich für ein Großevent wie die Wiesn nicht einmal eben in Luft auflösen – aber etwas mehr Willkommenskultur für die Gäste würde München an diesem Wiesn-Start durchaus guttun. Warum kann der Hauptbahnhof nicht geschmückt werden? Wo sind die Auskünfte in einer Sprache jener Menschen, die weder Bayerisch noch Hochdeutsch sprechen?
Ein solches Angebot vermisst man am ersten Wiesn-Auftakt auch auf der Theresienwiese selbst: dort gibt es keine Schilder auf Englisch, Polnisch oder Italienisch – und auch die Durchsage im Schottenhamel beim offiziellen Anstich finden ausschließlich auf Deutsch statt.
Dabei weiß die Festleitung ja doch eigentlich ganz genau: Die Wiesn ist multikulti, ihre Gäste kommen aus allen Ecken der Welt. Und deshalb sollte man sie auch entsprechend angemessen willkommen heißen. Damit auch die Millionen Nicht-Münchner auf der Wiesn sich hier ein klein wenig heimisch fühlen können.
Carla GospodarekRedakteurin Region Süd / Redakteurin vom Dienst
Die Stimmung spricht für sich
Es gibt Tage, an denen München einfach München ist. Der erste Wiesntag ist so einer. Kaiserwetter über dem Einzug der Wirtsleute und Schausteller. Prächtig geschmückte Wagen, fröhliche Blasmusik. Gut gelaunte, vorfreudige Menschen, die zur Theresienwiese strömen. Natürlich, der Weg vom Hauptbahnhof auf die Theresienwiese ist aktuell nicht gerade ein Postkartenmotiv. Eine Dauerbaustelle kann eben nun mal nicht für 16 Tage verschwinden. Verfehlen kann man sein Ziel dennoch nicht: In zehn bequemen Gehminuten lässt sich die Theresienwiese erreichen. XXL-Pfeile und Bodenmarkierungen weisen den Weg. International lesbar – durchaus auch noch mit einer bis fünf Maß Bier intus völlig selbsterklärend.
Eine zweisprachige Kommentierung des Anstichs? Überflüssig. Die Wiesn muss nicht alles übersetzen, um verstanden zu werden. Die Stimmung ist Dolmetscher genug. Wer aus Italien, Polen, Großbritannien oder den USA nach München kommt, erlebt hier schließlich kein beliebiges internationales Großevent. Er erlebt das Oktoberfest. Ein Münchner Fest mit einer jahrhundertealten Geschichte, mit Blasmusik, Tracht, Festzelten und Traditionen. Es geht nicht darum, die Wiesn an die ganze Welt anzupassen. Nein. Viel mehr geht es darum, der Welt die Münchner Wiesn zu zeigen, wie sie seit jeher ist. Echt.
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