Wachsendes Problem
Verbogen und zerlegt: Das tun Städte gegen Schrottfahrräder
26.08.2025 – 10:20 UhrLesedauer: 3 Min.
Schrottfahrräder werden in deutschen Großstädten zum wachsenden Problem. Die Kommunen reagieren, stoßen aber auch an Grenzen.
Platte Reifen, abmontierte Lenker, verbogene Felgen: Unerlaubt abgestellte Fahrräder sind nicht nur nervig, sondern in vielen Städten auch ein wachsendes Problem. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter mehreren Großstädten in Deutschland ergab: Allein in Frankfurt waren 2024 bis Ende Oktober über 1.000 Schrottfahrräder entfernt worden, im gesamten Jahr zuvor waren es nur halb so viele. Damit haben sich auch die Kosten für die Entfernung und Entsorgung mit 90.000 Euro mehr als verdoppelt.
In Hamburg wurden bis Ende November mehr als 4.500 Schrottfahrräder entsorgt, fast 400 mehr als zwei Jahre zuvor. In Münster soll es nach Schätzungen des Ordnungsamtes sogar mehrere zehntausend Schrotträder geben. In Düsseldorf blieb die Zahl mit etwa 2.260 im Vergleich zu den Vorjahren stabil. Die Kosten für das Einsammeln der Räder durch einen Dienstleister schätzt die Stadt für 2024 auf rund 65.000 Euro.
Was als Schrottrad gilt, ist nicht gesetzlich definiert und hängt von den Kriterien der Kommunen ab. Meist wird es als solches eingestuft, wenn es offensichtlich nicht mehr fahrbereit ist: etwa bei fehlendem Rahmen, stark verrosteten Teilen oder wenn es seit Monaten unbewegt vor sich hin rostet. „Ein Rad ist ein Rad und fährt“, sagt ein Sprecher der Stadt Stuttgart. „Oder es ist Schrott. Dann fährt es nicht mehr.“ Achtlos abgestellt, behindern sie den Verkehr und stellen eine Verletzungsgefahr dar, etwa weil sich Menschen an ihnen stoßen.
Schrottfahrräder seien auch als ein „Symptom der Wegwerfgesellschaft“ zu sehen, sagte ein Sprecher der Hamburger Stadtreinigung. Sobald ein Fahrrad nicht mehr „perfekt“ funktioniere oder ein neues Modell erscheine, lande das alte auf der Straße. „Das ist unnötig und doppelt ärgerlich“, fügte er hinzu. So würden die Räder wertvolle Abstellflächen blockieren und die Sauberkeit und Verkehrssicherheit in den Städten beeinträchtigen.
Nach einer Umfrage des Fahrrad-Monitors Deutschland will fast jeder Zweite sein Fahrrad häufiger nutzen. Dazu braucht es jedoch ausreichend Abstellmöglichkeiten. Schrottfahrräder blockieren diese zum Teil erheblich. In München sollen sie rund 15 Prozent der Kapazitäten belegen.
Um den Schrottautos und Fahrradleichen den Kampf anzusagen, werden sie in vielen Städten markiert – oft mit einem „roten Punkt“ oder einem Aufkleber mit der Aufforderung, sie zu entfernen. Taucht der Halter oder Besitzer nach Ablauf einer Frist nicht auf, werden die herrenlosen Gestelle abgeschleppt.
Bevor es entfernt wird, wird das Rad dokumentiert, die Rahmennummer wird bei der Polizei abgeglichen; bei Verdacht auf Diebstahl übernimmt diese, sonst kommt das Rad ins Zwischenlager. Es wird dort bis zu sechs Monate lang verwahrt. Kommunen veröffentlichen die Informationen darüber zunehmend online, damit Eigentümer ihr Rad digital finden und sich melden können. Wird ein Rad abgeholt, muss der Besitz nachgewiesen werden, etwa über eine Rahmennummer oder einen passenden Schlüssel zum Schloss. Einige Kommunen organisieren auch mehrmals im Jahr Aufräumaktionen.















