Campylobacter-Infektionen
Mehr Durchfallerkrankungen wegen intensiver Hühnerhaltung
07.08.2026 – 17:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Campylobacter-Bakterien sind mittlerweile weltweit die häufigste bakterielle Ursache für Durchfall. Das liegt wohl auch an unseren Essgewohnheiten.
Laut einer neuen Studie der Universität Oxford könnte die weltweite Ausweitung der intensiven Hühnerhaltung dazu beitragen, dass der Mensch ein erhöhtes Risiko hat, sich mit Durchfallerregern der Gattung Campylobacter zu infizieren. Denn die Bakterien finden in den großen Geflügelbeständen veränderte Umweltbedingungen vor, die ihre Entwicklung und Ausbreitung beschleunigen und ihre Übertragung auf den Menschen wahrscheinlicher werden lassen.
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Beim Menschen äußert sich eine Campylobacter-Infektion typischerweise durch Bauchschmerzen und wässrigen, mitunter blutigen Durchfall. Für gewöhnlich dauert die Erkrankung bis zu eine Woche an. In Deutschland werden 60.000 bis 70.000 Fälle pro Jahr gemeldet, die überwiegend in der warmen Jahreszeit (von Juni bis September) auftreten.
Immer mehr Hühner, veränderte Bedingungen
Campylobacter-Bakterien kommen in der Natur praktisch überall vor. Sie leben hauptsächlich im Verdauungstrakt von Tieren und sind zwischen Tier und Mensch übertragbar. Hauptinfektionsquelle für den Menschen sind unzureichend erhitztes oder kontaminiertes Geflügelfleisch und daraus hergestellte Produkte.
Seit den 1960er-Jahren hat sich die Zahl der Hühner weltweit auf rund 31 Milliarden Tiere versiebenfacht. Heute machen sie etwa 70 Prozent der gesamten Vogelbiomasse aus. Die intensive Geflügelhaltung ermöglicht zwar die günstige Produktion von tierischem Protein, schafft aber zugleich ideale Bedingungen für Krankheitserreger wie Campylobacter-Bakterien.
Um zu untersuchen, wie sich diese Veränderungen auf die Ausbreitung von Campylobacter-Infektionen auswirken, analysierte ein Forschungsteam fast 2.800 Genome der Bakterien aus Hühnern und Wildvögeln aus 30 Ländern. Ein Genom ist das gesamte Erbgut eines Lebewesens oder Virus.
Bakterien passen sich an neue Bedingungen an
Die genetischen Analysen ergaben: Die Bewegung der Bakterien zwischen verschiedenen Wirten hat im Vergleich zu früher um das Hundertfache zugenommen. Bakterienstämme, die einst vor allem bei Wildvögeln vorkamen, konnten sich in den heutigen großen Hühnerbeständen leicht ausbreiten, vermischen und neue Eigenschaften entwickeln, die ihnen das dauerhafte Überleben innerhalb der Bestände sichern.
Dank der neu erworbenen Eigenschaften sind die Bakterien unter anderem beweglicher, widerstandsfähiger gegenüber oxidativem Stress und unempfindlicher (resistenter) gegenüber Antibiotika. Solche Antibiotikaresistenzen könnten Infektionen beim Menschen künftig schwerer behandelbar machen.
Neue Wege zur Eindämmung neuer Risiken nötig
Die intensive Geflügelhaltung hat demnach direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Sam Sheppard, Professor an der Universität Oxford und Leiter der Studie, drückt es so aus: „Unsere Ergebnisse liefern neue Belege dafür, dass vom Menschen verursachte Umweltveränderungen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen können.“
Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse können dazu beitragen, Biosicherheitsmaßnahmen in der Geflügelhaltung weiterzuentwickeln und die Ausbreitung von auf den Menschen übertragbaren und antibiotikaresistenten Bakterien künftig besser einzudämmen.














