Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Betroffene leiden oft psychisch – teils vor der Diagnose
07.08.2026 – 10:54 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer an Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn erkrankt, hat oft auch mit psychischen Problemen zu tun. Laut einer Studie treten diese mitunter früher auf als gedacht.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (kurz CED) wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn können die Lebensqualität mindern und mit erheblichen Belastungen einhergehen. Insofern verwundert es nicht, dass viele Betroffene auch seelische Beschwerden entwickeln. Depressionen und Angststörungen kommen bei ihnen deutlich häufiger vor als bei Gesunden.
Eine große schwedische Studie zeigt nun allerdings: Das Risiko für psychische Erkrankungen steigt nicht erst nach der Diagnose.
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Daten von mehr als 40.000 Patienten ausgewertet
Für die landesweite Kohortenstudie wertete ein Forschungsteam die Gesundheitsdaten von 43.862 Menschen aus, bei denen zwischen 2007 und 2023 eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert worden war. Die Ergebnisse verglichen sie sowohl mit 178.821 Personen aus der Allgemeinbevölkerung als auch mit 26.807 gesunden Geschwistern der Betroffenen.
Der Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung bestätigte frühere Erkenntnisse: Menschen mit CED entwickeln häufiger psychische Erkrankungen als Menschen ohne chronisch-entzündliche Darmerkrankung.
Besonders aufschlussreich war aber der Vergleich mit den gesunden Vollgeschwistern der Betroffenen. Geschwister wachsen in der Regel unter ähnlichen Bedingungen auf und teilen einen großen Teil ihrer Erbanlagen.
Damit konnte das Forschungsteam prüfen, ob das erhöhte Risiko für psychische Erkrankungen vor allem auf genetische Faktoren oder das familiäre Umfeld zurückzuführen ist. Das war jedoch nicht der Fall: Auch im Vergleich mit den gesunden Geschwistern hatten Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung häufiger psychische Leiden.
Die Ergebnisse deuten deshalb darauf hin, dass die Darmerkrankung selbst – oder die biologischen und psychischen Veränderungen, die mit ihr einhergehen – einen wesentlichen Beitrag zum erhöhten Risiko leisten.
Psychische Risiken steigen schon vor der Diagnose
Laut der Studie steigt das Risiko für psychische Erkrankungen bereits zwei bis drei Jahre vor der Diagnose an. Warum, lässt sich mit der Studie nicht beantworten. Die Autoren vermuten jedoch, dass erste, noch nicht erkannte Entzündungsprozesse und belastende Beschwerden bereits lange vor der eigentlichen Diagnose bestehen könnten. Auch biologische Wechselwirkungen zwischen Darm und Gehirn kommen als Erklärung infrage.
Nach der Diagnose nimmt das Risiko zunächst weiter zu und erreicht innerhalb der ersten sechs Monate sein Maximum. Zu diesem Zeitpunkt ist das Risiko insgesamt rund 50 Prozent höher als bei den Vergleichsgruppen. Anschließend sinkt es zwar wieder deutlich, bleibt aber selbst zehn Jahre nach der Diagnose noch erhöht.
Was bedeutet das für Erkrankte?
Psychische Erkrankungen können zum Krankheitsbild einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung gehören, und zwar mitunter schon, bevor die Erkrankung überhaupt erkannt wird. Besonders häufig waren die Teilnehmer von Depressionen, Angststörungen und Problemen durch Substanzmissbrauch betroffen. Diese Erkrankungen sind behandelbar – vorausgesetzt, sie werden erkannt.
Bei psychischen Leiden ist eine rechtzeitige Therapie wichtig, weil sie sich sonst verfestigen können. Nicht selten ziehen sie weitere Erkrankungen und gesundheitliche Probleme nach sich. Außerdem können sie den Umgang mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung erschweren. Darum gilt: Wer über längere Zeit unter Niedergeschlagenheit, Ängsten oder anderen seelischen Veränderungen leidet, sollte diese frühzeitig ärztlich ansprechen.















