„Es ist unser Problem“
AfD und Migration: ARD-Chef räumt Fehler bei der Berichterstattung ein
22.10.2026 – 10:21 UhrLesedauer: 2 Min.
ARD-Chef Florian Hager übt Selbstkritik. Es geht um Migration, den Umgang mit der AfD und mangelnde Abbildung von Lebenswirklichkeiten.
Der Vorwurf, beim Thema Migration nicht ausreichend zu berichten, begleitet die ARD seit Jahren. Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzender der ARD, kennt diese Kritik. Im Podcast „Ronzheimer“ hat er ihr nun teilweise zugestimmt.
„Beim Thema Migration muss man wahrscheinlich auch selbstkritisch sagen: Wir haben in der Vergangenheit auch nicht alles richtig gemacht und waren an manchen Stellen wahrscheinlich nicht kritisch genug, haben Dinge nicht hinterfragt“, sagte der 50-Jährige im Gespräch mit Journalist Paul Ronzheimer.
Als Beispiel nannte Hager seinen Austausch mit Kommunen und Bürgermeistern. Wenn er höre, wie Dinge vor Ort nicht funktionierten, dann hätten diese Probleme in der Berichterstattung der ARD „vielleicht einfach auch zu wenig stattgefunden“.
Florian Hager: Zwischen AfD-Wählern und AfD-Politikern unterscheiden
Hager betonte zugleich, er wolle zwischen AfD-Politikern und den Menschen unterscheiden, die diese Partei wählen. Die Sorgen der Wähler dürften dem Sender nicht gleichgültig sein. „Und wenn da das Gefühl herrscht, dass wir sie nicht vertreten, dass sie nicht gesehen werden oder dass sie uns nicht mehr vertrauen können, dann ist es ein Riesenthema für uns. Und dann kann man nicht sagen: ‚Ist deren Problem …‘ – sondern es ist unser Problem.“
Als Beispiel verwies Hager auf Gespräche mit Polizeivertretern. Wer seit Jahren in dasselbe schwierige Wohngebiet fahre, ohne Veränderungen zu erleben, egal welche Partei regiere, der fühle sich schlicht nicht gehört. Fehlen dann politische Lösungsangebote, sei der Wunsch nach einem Regierungswechsel nachvollziehbar: „Das ist natürlich inhaltlich schwierig, aber nachvollziehbar.“
ARD-Chef wünscht sich mehr unterschiedliche Blickwinkel
Auch die Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten nahm Hager in den Blick. Lange Zeit seien vor allem Bewerber aus Akademikerfamilien in die Volontariate gelangt. Das könne dazu führen, dass Redaktionen den Kontakt zu anderen Lebenswirklichkeiten verlieren. „Ich kann schon verstehen, dass manche Menschen den Eindruck haben, dass wir an der einen oder anderen Stelle belehrend rüberkommen“, sagte er. Die ARD arbeite deshalb daran, Gegenmeinungen stärker in die Berichterstattung einzubeziehen.
Hager räumte außerdem ein, die ARD sei in ihrer Themenwahl zu stark städtisch geprägt. Auch junge Perspektiven kämen im Programm zu selten vor. Er wünsche sich mehr „Streit“ in den Redaktionen, im positiven Sinne: mehr Diskussion, mehr unterschiedliche Blickwinkel.














