Neue Erkenntnisse
Dieses Organ könnte unter Abnehmmitteln leiden
13.09.2026 – 14:59 UhrLesedauer: 3 Min.

Abnehmspritzen und -tabletten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch Studien zeigen: Die Medikamente könnten das Risiko für Gallenerkrankungen erhöhen.
Übergewicht kann sowohl die körperliche als auch die seelische Gesundheit stark belasten. Viele Betroffene greifen daher auf Abnehmspritzen und -tabletten zurück. Doch die zunehmende Verbreitung dieser Mittel wirft auch Fragen zu möglichen Nebenwirkungen auf.
Eine aktuelle Studie der Harvard Medical School hat das Risiko für Gallenerkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersucht, die mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) behandelt werden. Diese Wirkstoffe, ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, werden zunehmend auch zur Gewichtsreduzierung eingesetzt – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Zu den bekanntesten Wirkstoffen dieser Gruppe gehören etwa Semaglutid, Liraglutid oder Dulaglutid.
Gallenerkrankungen bei Jugendlichen: Neue Erkenntnisse
Die Studie analysierte Daten von über 37.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 bis 21 Jahren. Dabei zeigte sich, dass die Einnahme von GLP-1-RA das Risiko für Gallenkoliken – schmerzhafte Krämpfe der Gallenblase – um 62 Prozent erhöhte. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gallenblase operativ entfernt werden musste (Cholezystektomie), stieg um 39 Prozent.
Wofür ist die Gallenblase wichtig?
Die Gallenblase ist ein kleines Organ an der Unterseite der Leber, das Galle speichert und eindickt. Diese von der Leber produzierte Flüssigkeit spielt eine zentrale Rolle bei der Fettverdauung: Sie zerkleinert Fettkügelchen, sodass Verdauungsenzyme sie leichter spalten können, und unterstützt die Aufnahme der Fette im Darm. Neben Wasser enthält die Galle Gallensalze, Cholesterin, Fette und Farbstoffe wie Bilirubin, das dem Stuhl seine braune Farbe verleiht.
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Erhöhtes Risiko auch bei Erwachsenen
Die Risiken von GLP-1-RA sind jedoch nicht auf Jugendliche beschränkt. Eine Metaanalyse von 76 klinischen Studien mit über 100.000 erwachsenen Teilnehmern zeigte bereits vor einigen Jahren, dass die Einnahme von GLP-1-RA das Risiko für Gallenerkrankungen um 37 Prozent erhöht. Besonders betroffen waren Patienten, die die Medikamente in hohen Dosierungen zur Gewichtsreduktion einnahmen.
Die Analyse ergab, dass das Risiko für spezifische Erkrankungen wie Gallensteine (Cholelithiasis) um 27 Prozent, für Gallenblasenentzündungen (Cholezystitis) um 36 Prozent und für Gallengangserkrankungen um 55 Prozent stieg. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Gallenblasenentfernung war um 70 Prozent höher.
Warum erhöhen GLP-1-RA das Risiko?
Fachleute vermuten zwei Hauptursachen für das erhöhte Risiko:
- Beeinträchtigte Gallenblasenfunktion: GLP-1-RA können die Beweglichkeit der Gallenblase hemmen und dazu führen, dass sie sich langsamer entleert. Dies führt dazu, dass sich Gallenflüssigkeit ansammelt, was die Bildung von Gallensteinen begünstigt.
- Starker Gewichtsverlust: Ein schneller Gewichtsverlust, wie er durch GLP-1-RA häufig erzielt wird, kann die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit verändern. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Cholesterin in der Gallenblase ablagert und Gallensteine entstehen.
Wie funktionieren GLP-1-Rezeptoragonisten?
Diese Wirkstoffe ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons GLP-1 nach, das unter anderem an der Regulierung des Appetits beteiligt ist. Dadurch steigt das Sättigungsgefühl, das Hungergefühl nimmt ab und die Magenentleerung verlangsamt sich. Menschen fühlen sich länger satt und nehmen dadurch meist weniger Kalorien zu sich.















