Schwarzer Donnerstag
Anleger fliehen aus KI-Aktien – zu Recht?
06.11.2026 – 13:39 UhrLesedauer: 6 Min.

Schon lange vor den US-Wahlen bröckelte das Fundament des KI-Hypes – nur hat es kaum jemand bemerkt. Jetzt zeigt sich, wie tief die Risse tatsächlich sind.
Die 100 wichtigsten Technologiewerte im Nasdaq 100 haben am gestrigen Donnerstag eine rasante Talfahrt hingelegt: Während der Index selbst 5,6 Prozent an Wert verlor, stürzten einige Titel um 10 bis 15 Prozent ab – vor allem Unternehmen, die bislang als KI-Gewinner galten.
Den Kurssturz allein auf den Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen zurückzuführen, greift jedoch zu kurz: Der Abverkauf der Tech-Werte begann schon einen Monat früher, am 7. Oktober – die Gründe dafür überraschen kaum.
Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich nun die Frage: Ist das der Anfang vom Ende des KI-Hypes an der Börse oder nur eine überfällige Zwischenkorrektur?
Der Abverkauf begann längst vorher
Nach Einschätzung von Dan Ives von der US-Investmentbank Wedbush war der Abverkauf absehbar: Ein Markt, der monatelang ungebremst nach oben sprintet, braucht irgendwann eine Atempause, um reale makroökonomische Risiken neu zu bewerten.
Drei Beispiele zeigen, dass die größten Verluste nicht an einem Tag entstanden sind:
- Marvell Technology verlor allein am gestrigen Handelstag 16,3 Prozent – auf Sicht von 30 Tagen steht die Aktie mit über 50 Prozent im Minus.
- Dell Technologies büßte am Donnerstag knapp 15 Prozent ein; binnen 30 Tagen summiert sich der Verlust auf rund 47 Prozent.
- Branchenprimus Nvidia verlor gestern knapp 10 Prozent und binnen 30 Tagen rund 25 Prozent.
Der Ausverkauf von Technologieaktien – vor allem von KI-Spezialisten – begann also weit vor den US-Zwischenwahlen. Dass der gewachsene Einfluss der Demokraten künftig zu strengerer KI-Regulierung und einem gebremsten Ausbau von Rechenzentren führen könnte, erklärt nur einen Teil des Absturzes. Wahrscheinlicher ist, dass das Wahlergebnis nur den finalen Anstoß lieferte, um Luft aus einer längst überhitzten Bewertungsblase zu lassen.
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Dong Baozhen, Vorsitzender des Vermögensverwalters Lingtong Shengtai, bringt es auf den Punkt: „Der Ausverkauf zeigt, dass die KI-Aktienkurse auf rosigen Illusionen über die Zukunft aufgebaut waren – und nun ist diese Illusion verflogen.“
Tech im freien Fall – die Old Economy hält die Stellung
Die Kursverluste des gestrigen Donnerstags zeichnen ein klares Bild: Es handelt sich nicht um einen flächendeckenden Marktcrash, sondern um eine gezielte Flucht aus dem Technologiesektor – nach Ansicht von Alexander Giuliano vom Vermögensverwalter Resonate Wealth Partners eine gesunde, überfällige Zwischenkorrektur.
Während der Tech-lastige Nasdaq Composite um 5,52 Prozent einbrach, hielten sich die traditionelleren Indizes deutlich besser: Der Dow Jones Industrial Average, geprägt von klassischen Industrie- und Finanzwerten, verlor nur 3,44 Prozent. Auch der S&P 500 kam mit einem Minus von 4,36 Prozent glimpflicher davon, obwohl Silicon-Valley-Schwergewichte diesen Börsenindex stark dominieren.














