Prozessauftakt in Leipzig
Amokfahrer soll aus Rache getötet haben
02.11.2026 – 16:49 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Prozess gegen Jeffrey K. beginnt: Dem Hobby-Boxer wird vorgeworfen, mit 90 km/h durch die Leipziger Fußgängerzone gerast zu sein. Das mutmaßliche Motiv lässt aufhorchen.
Zwei Tote, zwei Schwerverletzte – und zahlreiche Menschen, die sich teils nur durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen konnten: In Leipzig hat der Prozess gegen den 34 Jahre alten Jeffrey K. begonnen. Ihm wird vorgeworfen, am 4. Mai mit seinem Auto durch die Fußgängerzone von Leipzig gerast zu sein. Die Amokfahrt dauerte 21 Sekunden. Jetzt ist K. unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in 85 Fällen angeklagt.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass K. sich spätestens am Vorabend zu der Tat entschlossen hatte. „Der Angeklagte wollte Menschen mit seinem Fahrzeug erfassen und so töten“, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob am Montag vor dem Landgericht.
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Vier Menschen traf K. mit seinem weißen VW Taigo, als er das Auto auf bis zu 90 km/h beschleunigte. Es starben ein 77-Jähriger, dessen Bauchschlagader riss, als er über die Motorhaube geschleudert wurde, und eine 63-Jährige. Ihr Mann erlitt Knochenbrüche. Zudem wurde eine 84 Jahre alte Frau schwer verletzt. Der Fahrer brachte das Auto schließlich selbst zum Stehen und ließ sich widerstandslos festnehmen.
Tötete Jeffrey K. aus Rache an seiner Frau wildfremde Menschen?
Die Staatsanwaltschaft geht von Rache aus. Seine Ehefrau habe sich im Februar von ihm getrennt und später das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn beantragt. Vor der Tat habe er ein Schreiben in seinen WhatsApp-Status geladen, mit dem er die Frau bloßstellen wollte. Vor seiner Festnahme habe er diesen Text von innen gegen die Autoscheibe gehalten. „Sein Ziel war es, sich so an seiner Frau zu rächen“, sagte Oberstaatsanwalt Jakob.

Den Ermittlern zufolge war der Mann wenige Tage vor der Amokfahrt in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung. Er hatte sich auf eigenen Wunsch in der Klinik aufgehalten und war Ende April entlassen worden. Er war schon polizeilich aufgefallen, auch wegen Bedrohung und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld.
Verteidiger Malte Heise zog Rache als Motiv in einer Erklärung in Zweifel. „Diese Betrachtungsweise greift aus Sicht der Verteidigung zu kurz“, sagte er. Sein Mandant habe seine Lage als ausweglos empfunden, sei überfordert, hilflos und verzweifelt gewesen.
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Er gehe davon aus, dass sein Mandant diese Verzweiflung sichtbar machen wollte. „Das entschuldigt die Tat nicht, ändert aber die rechtliche Bewertung“, sagte Heise. Der Angeklagte selbst schwieg. Sein Verteidiger sagte laut „Bild“-Zeitung, er würde „keine angemessenen Worte“ finden.














