Erhöhtes Depressionsrisiko
Diesen Menschen könnte Bewegung besonders helfen
27.10.2026 – 14:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Bei Depressionen spielt oft auch die Veranlagung eine Rolle. Eine Studie zeigt nun: Wer wegen seiner Gene ein erhöhtes Risiko hat, sollte möglichst aktiv sein.
Menschen mit Depressionen erhalten häufig den Rat, sich viel zu bewegen. Aus gutem Grund: Regelmäßiges körperliches Training kann depressive Beschwerden lindern. Doch welche Rolle spielt Bewegung, wenn eine Person genetisch stärker für Depressionen veranlagt ist?
Wissenschaftler aus den USA sind dieser Frage nachgegangen. Ihre Ergebnisse sind im Fachjournal „Nature Mental Health“ erschienen. Sie legen nahe: Bei Menschen, die einen aktiven Lebensstil pflegen, hängt die genetische Veranlagung weniger stark mit der Schwere einer Depression zusammen. Einfacher ausgedrückt: Wer sich viel bewegt, könnte trotz eines erhöhten genetischen Risikos weniger stark unter Depressionen leiden.
Die Forscher werteten Fitbit-Daten aus
Die Untersuchung basiert auf Daten aus dem amerikanischen Forschungsprogramm „All of Us“. Seit 2018 werden dort gesundheitliche Informationen von Menschen aus den USA gesammelt, um Krankheiten und ihre Ursachen besser zu verstehen.
Die Wissenschaftler werteten allerdings nicht alle darin erfassten Angaben aus. Ihr Interesse galt nur denjenigen, für die sowohl genetische Informationen als auch Bewegungsdaten von Fitbit-Fitnessarmbändern vorlagen. Das war bei 23.517 Teilnehmern der Fall. Diese waren im Durchschnitt 56 Jahre alt, rund zwei Drittel waren Frauen.
Die Fitnessarmbänder zeichneten die Bewegung im Schnitt über 582 Tage auf. Dabei kamen die Teilnehmer auf durchschnittlich 7.190 Schritte und knapp 35 Minuten mäßige bis intensive Bewegung pro Tag.
Diese Werte setzten die Forscher in einen Zusammenhang mit den Informationen zur genetischen Veranlagung und zu Depressionen. Laut Befragungen und Krankenakten hatten 9.889 Teilnehmer, also rund 42 Prozent, irgendwann in ihrem Leben eine Depression gehabt. Wie schwer die Erkrankung war, ermittelten die Forscher anhand der ärztlich dokumentierten Diagnosen auf einer Skala von null bis vier. Aktuelle Beschwerden wurden dafür nicht eigens erfragt.
Mehr Schritte, geringeres Depressionsrisiko?
Die Auswertung ergab: Je 1.000 zusätzliche Schritte pro Tag waren mit rund elf Prozent geringerer statistischer Wahrscheinlichkeit verbunden, jemals eine Depression gehabt zu haben. Ein höheres genetisches Risiko ging dagegen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Depressionsdiagnose einher.
Außerdem stellte sich heraus: Bei Menschen, die sich viel bewegten, fiel der Zusammenhang zwischen genetischer Veranlagung und der dokumentierten Schwere einer Depression schwächer aus.
Was bedeutet das für jeden Einzelnen?
Wenn mehrere Mitglieder einer Familie an Depressionen erkrankt sind, kann das auf eine erbliche Veranlagung hindeuten. Doch ein erhöhtes genetisches Risiko bedeutet nicht, dass man zwangsläufig selbst erkrankt. Ob eine Depression entsteht, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen neben den Genen auch belastende Lebensereignisse, das soziale Umfeld und der Lebensstil. Auch regelmäßige Bewegung kann eine wichtige Rolle spielen.
Die neue Studie liefert Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität gerade für Menschen mit einem erhöhten genetischen Depressionsrisiko hilfreich sein könnte.














