Krebsforschung
Blutwerte könnten Prostatakrebs-Risiko lange vorher anzeigen
26.10.2026 – 15:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Bestimmte Biomarker im Blut weisen womöglich auf ein späteres Prostatakrebsrisiko hin – teilweise mehr als 15 Jahre vor der Diagnose.
Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Doch während manche Tumoren langsam wachsen und zeitlebens keine Beschwerden verursachen, entwickeln sich andere aggressiv und können lebensbedrohlich werden. Warum das so ist, lässt sich bislang nur zum Teil erklären. Eine internationale Forschungsgruppe unter Leitung der Universität Oxford hat nun untersucht, ob sich bereits lange vor der Diagnose biologische Hinweise auf das spätere Erkrankungsrisiko im Blut finden lassen. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachjournal „European Urology“.
Gut zu wissen
Pro Jahr erkranken in Deutschland 79.610 Männer neu an Prostatakrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren, wobei das Risiko mit dem Alter deutlich ansteigt. Unter 50 Jahren ist Prostatakrebs sehr selten. Insgesamt erkrankt etwa jeder siebte Mann im Laufe seines Lebens. Wie sich Prostatakrebs erkennen und behandeln lässt, lesen Sie hier.
Über 6.000 Eiweiße untersucht
Für die Studie analysierten die Wissenschaftler Blutproben von 982 Männern, die später Prostatakrebs entwickelten. Die Proben stammten aus der europäischen Langzeitstudie EPIC. Zum Vergleich wurden Proben von 1.573 zufällig ausgewählten Männern aus derselben Studie untersucht. Die Teilnehmer wurden im Mittel über 16 Jahre nachbeobachtet.
Im Blut bestimmten die Forscher die Konzentrationen von mehr als 6.000 Eiweißen (Proteinen), die unterschiedliche Aufgaben im Körper übernehmen, etwa bei der Immunabwehr, der Kommunikation zwischen den Zellen und der Bildung von Blutgefäßen.
Das Ergebnis: Bei zwölf Eiweißen zeigte sich ein Zusammenhang mit einer Prostatakrebsdiagnose mehr als 15 Jahre nach der Blutentnahme, bei sieben weiteren mit aggressiven Tumoren. Insgesamt fanden die Wissenschaftler bei 53 Proteinen Zusammenhänge zum späteren Erkrankungsrisiko. Besonders auffällig war das Protein ANKRD1, dessen Konzentration mit mehreren schwerwiegenden Krankheitsformen zusammenhing – darunter fortgeschrittene und tödlich verlaufende Tumoren.
Welche Rolle spielt das Immunsystem?
Ein Teil der Ergebnisse deutet darauf hin, dass die körpereigene Abwehr eine wichtige Rolle spielen könnte. So war etwa das Protein GZMK, das von bestimmten Immunzellen gebildet wird und an der Erkennung und Zerstörung auffälliger Zellen beteiligt ist, mit einem geringeren langfristigen Erkrankungsrisiko verbunden.
Zudem standen Eiweiße, die von bereits bekannten krebsrelevanten Genen wie ERBB3, KRAS und NRAS gebildet werden, mit einem späteren Risiko für aggressive Tumoren im Zusammenhang.
Laut Studienautor Zhe Huang von der Universität Oxford liefern die Ergebnisse neue Ansatzpunkte für die Forschung: „Wir hoffen, dass wir die Biologie des aggressiven Prostatakrebses so besser verstehen können und Marker finden, die die Risikobewertung künftig verbessern.“
Noch kein Test für die Früherkennung
Die Befunde sind allerdings kein Beleg dafür, dass bei den Männern bereits zum Zeitpunkt der Blutentnahme Krebs vorhanden war. Sie zeigen vor allem statistische Zusammenhänge zwischen bestimmten Proteinwerten und einer späteren Diagnose.
Zudem ließen sich nicht alle Ergebnisse in unabhängigen Untersuchungen bestätigen. Die beobachteten Effekte waren bei vielen Proteinen eher gering. Ob sich daraus tatsächlich ein zuverlässiger Bluttest entwickeln lässt, müssen weitere Studien zeigen.














