Mit 88 Jahren
Thüringens erster Ministerpräsident gestorben
Aktualisiert am 26.10.2026 – 13:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Er war nach der Wiedervereinigung Thüringens erster Regierungschef: Jetzt ist der CDU-Politiker Josef Duchač tot.
Thüringens erster Ministerpräsident Josef Duchač ist tot. Der CDU-Politiker sei am Freitag nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben, teilte die Thüringer Staatskanzlei mit. Er war seit der Wiedervereinigung 1990 bis 1992 Regierungschef des Freistaats. Nachfolger wurde sein Parteifreund Bernhard Vogel.
„Mit Josef Duchač verlieren wir eine Persönlichkeit, die den Aufbau des Freistaats Thüringen nach 1990 mit großem persönlichem Einsatz und Tatkraft maßgeblich mitgestaltet hat“, würdigte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt die Verdienste von Duchač. Er habe mit klugem und entschlossenem Handeln hat er dazu beigetragen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, den Freistaat als politische Einheit neu zu begründen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Thüringerinnen und Thüringer zu stärken.
Aufbau des Freistaats nach 1990
„Der erfolgreiche Aufbau des Landes Thüringen ist daher untrennbar mit seinem Mut, seiner Beharrlichkeit und seinem persönlichen Einsatz verbunden. Josef Duchač trug Thüringen und dessen Menschen tief in seinem Herzen.“ Duchač habe sich bleibende Verdienste erworben. Trotz schwerer gesundheitlicher Einschränkungen habe er die aktuellen politischen Entwicklungen bis zuletzt aufmerksam verfolgt und scharfsinnig kommentiert.
Geboren wurde Duchač 1938 in Bad Schlag (Jablonecké Paseky) in der heutigen Tschechoslowakei. Der gelernte Chemieingenieur arbeitete viele Jahre im Gummiwerk Waltershausen, zuletzt als Betriebsleiter.

Schon früh trat er in die CDU ein. Im Oktober 1989 wurde er Vorsitzender des Kreisverbandes Gotha. Im Juni 1990 ernannte ihn der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière zum Regierungsbevollmächtigten im Bezirk Erfurt, ab der Wiedervereinigung fungierte er als Landesbevollmächtigter für Thüringen. Die erste freie Wahl wenige Tage später gewann die CDU mit Duchač als Spitzenkandidat deutlich. Er bildete zusammen mit der FDP eine Koalition.
Rücktritt nach nicht mal zwei Jahren
Nicht mal zwei Jahre später, im Februar 1992, trat er vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Ihm wurden Führungsschwäche und Verstrickungen mit dem DDR-System vorgeworfen. Zuvor waren bereits mehrere Minister zurückgetreten. Sein 2025 verstorbener Nachfolger Bernhard Vogel blieb bis 2003 im Amt.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt übernahm Duchač für die Konrad-Adenauer-Stiftung die Leitung verschiedener Auslandsvertretungen, unter anderem in Lissabon, St. Petersburg und Budapest. Zuletzt lebte er in Birkenwerder (Brandenburg). Nach einem Schlaganfall war er erblindet.















