Leserdebatte zum ÖRR
Drei Viertel sehen eine politische Schlagseite
Aktualisiert am 22.10.2026 – 16:38 UhrLesedauer: 2 Min.
Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzender der ARD, stellte sich im Podcast „Ronzheimer“ der Kritik am Programm. Er räumte Fehler im Umgang mit AfD-Wählern und beim Thema Migration ein. Was denken Leser über die Ausrichtung des ÖRR?
Bei der t-online-Abstimmung zur Frage „Halten Sie die Öffentlich-Rechtlichen für tendenziös?“ stimmte mit 77 Prozent eine deutliche Mehrheit der 563 Teilnehmer (Stand 15.30 Uhr) mit „Ja“. 21 Prozent sehen das anders und wählten „Nein“, zwei Prozent sind sich unsicher. Anlass der Debatte sind von ARD-Chef Hager eingeräumte Fehler im Umgang mit AfD-Wählern und dem Thema Migration.
Konservative Perspektiven werden vermisst
Ein wiederkehrender Vorwurf lautet, linke oder grüne Positionen seien in Nachrichten und Diskussionsrunden überrepräsentiert. Alexandra Fischer empfindet insbesondere die Berichterstattung zum Thema Migration und politische Talkshows als unausgewogen.
Bernadette Verron schreibt in einem Kommentar: „Es fehlt die Ausgewogenheit, ein liberal-konservatives Gegengewicht. Das würde dann nämlich auch der Bevölkerungsstruktur eher entsprechen.“
Auch Hans-Joachim Pohle, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner jetzigen Form für unbedingt erhaltenswert hält, wünscht sich mehr Abwechslung im Programm: „Seit ca. 30 Jahren habe ich das Gefühl, dass linksliberale Haltungen im gesamten Journalismus überwiegen. Wenn ich auch selbst eher dieser Richtung zustimme, fehlen mir in der seriösen Berichterstattung doch öfters konservative Meinungen.“
Mehrere t-online-Leser glauben, dass die Sender den Zuschauern und Zuhörern eine bestimmte Sichtweise nahelegen. Thomas Ehmer findet, es werde eine Meinung wiedergegeben, „die man haben sollte“. Andere kritisieren, Moderatorinnen und Moderatoren würden Gäste unterbrechen oder Diskussionen in eine bestimmte Richtung lenken. Uwe Fischer sieht Verbesserungsbedarf: „Viele Reportagen und Berichte sind echt top, aber gerade politische Parteien werden meiner Meinung nach nicht gleich fair behandelt.“
Verteidiger des ÖRR betonen Unabhängigkeit
Jörg Rathje hat zwar den Eindruck, dass die Berichterstattung manchmal stärker kommentierend gefärbt sei, hält den ÖRR insgesamt aber nicht für parteiisch. Für ihn gleichen sich einzelne tendenziöse Berichte im Gesamtangebot aus. Wolfgang Schardt sieht es ähnlich: „Natürlich schüttele auch ich manchmal den Kopf über Wortwahl und eingebaute Meinung der Redakteure und Journalisten.“ Er fühle sich dadurch aber gefordert, sich mit der Meinung der Journalisten auseinanderzusetzen.
Thomas Jessel nennt die Berichterstattung von ARD und ZDF „Spitzenjournalismus“ und begrüßt ausdrücklich, dass auch gegen die AfD argumentiert werde. Gosbert Hemberger hält es für richtig, dass im Programm alle Parteien kritisch betrachtet werden.
Andreas Macho hat nicht das Gefühl, dass die Sender einem politischen Spektrum zuzuordnen seien: „Sie unterlegen ihre Berichterstattung mit gut recherchierten Fakten und einer Prüfung der Sachverhalte.“ Er denkt, dass sich die Wahrnehmung durch die Nutzung alternativer und sozialer Medien stark verändert habe, in denen die eigene Weltsicht bestärkt und Meinungen als Fakten dargestellt würden.
Marita Zinkel hält die öffentlich-rechtlichen Sender trotz möglicher Fehler für unverzichtbar: Das Grundrecht auf Information solle ihrer Meinung nach nicht allein den jeweils Mächtigen oder dem Gewinnstreben überlassen werden.














