Edel und billiger
Warum Audi diesen AUDI nicht in Deutschland sehen will
22.10.2026 – 11:34 UhrLesedauer: 4 Min.
Ein deutscher Unternehmer fährt einen Elektro-AUDI aus China – ein Auto, das offiziell gar nicht für Deutschland gedacht ist. Warum eigentlich nicht?
Gerrit Braun, Chef des Miniatur-Wunderlands in Hamburg, fährt laut „Hamburger Abendblatt“ einen Elektro-AUDI. Das allein klingt zunächst nicht besonders ungewöhnlich. Schließlich ist Audi eine deutsche Marke.
In diesem Fall ist es komplizierter. Denn Brauns Auto ist kein Audi, wie ihn deutsche Kunden beim Händler bestellen können. Es gehört zu einer eigenen China-Marke, die zwar den gleichen Namen trägt, aber ohne die bekannten vier Ringe auftritt und in Versalien geschrieben wird. AUDI statt Audi. Entwickelt wurden diese Modelle gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller SAIC und sind ausschließlich für den chinesischen Markt gedacht.
Genau deshalb will Audi nicht, dass solche Fahrzeuge nach Deutschland kommen. Laut einem Bericht der „Automobilwoche“ ist Audi rechtlich gegen den Importeur Auto China vorgegangen, der Modelle wie den AUDI E5 Sportback und den E7X zeitweise für deutsche Kunden angeboten hatte. Eine Unternehmenssprecherin erklärte demnach: „Wir haben gegenüber dem Importeur rechtliche Schritte eingeleitet und werden unsere Rechte konsequent durchsetzen.“
Audi ohne Ringe: Was steckt hinter AUDI?
Die China-Modelle sind Teil einer speziellen Strategie. Audi verkauft in China nicht nur bekannte Baureihen, sondern hat mit SAIC eine eigene Modellfamilie entwickelt. Die Autos tragen den Schriftzug AUDI in Großbuchstaben und verzichten auf die vier Ringe. Die Marke soll zwar bekannt klingen, in China aber digitaler, lokaler und jünger wirken. So zumindest Audis Plan.
Die Fahrzeuge basieren auf einer eigenen Plattform und sind tief in das digitale Ökosystem Chinas eingebunden. Das betrifft Bedienung, Assistenzsysteme, Software und Vernetzung.
Der AUDI E5 Sportback machte den Anfang. Er ist ein elektrisch angetriebener Kombi mit flacher Silhouette. Im Innenraum setzt er stark auf digitale Bedienung, breite Displays und spielerische Details. Auch technisch tritt er selbstbewusst auf: Je nach Version sind bis zu 787 PS möglich. Die Batterien haben 76 oder 100 Kilowattstunden Kapazität, die Reichweite liegt im chinesischen Zyklus bei bis zu 773 Kilometern. Beim Laden sollen bis zu 400 Kilowatt möglich sein.
Beim zweiten Modell, dem E7X, handelt es sich um ein großes Elektro-SUV mit 5,05 Metern Länge, zwei Metern Breite und einem Radstand von 3,06 Metern. Erhältlich sind Leistungsstufen mit 300 Kilowatt und 500 Kilowatt, dazu eine 109-Kilowattstunden-Batterie und mehr als 700 Kilometer Reichweite.

Warum sind die China-AUDIs dort so günstig?
Während die Ausstattungsmerkmale nach Oberklasse klingen, ist dies beim Preis nicht der Fall: Der AUDI E5 Sportback startet in China laut „Automobilwoche“ bei 235.900 Yuan, umgerechnet rund 30.000 Euro. Selbst die Topversion soll unter 40.000 Euro bleiben – für ein großes, starkes Elektroauto mit 800-Volt-Technik für schnelles Laden und üppiger Ausstattung.
Dafür gibt es mehrere Gründe. China ist derzeit der härteste Elektroautomarkt der Welt. Hersteller stehen dort unter enormem Preisdruck, Entwicklungszyklen sind kürzer, lokale Lieferketten stark ausgebaut. Dazu kommen andere regulatorische Anforderungen, andere Kundenwünsche und ein anderes Wettbewerbsumfeld. Auch die Produktion findet in China statt, zu den entsprechenden lokalen Konditionen. Der chinesische Listenpreis lässt sich jedoch nicht einfach auf Deutschland übertragen.














