Nach Klagen in den USA
Umstrittener Chatbot-Anbieter meldet Insolvenz an
15.10.2026 – 07:17 UhrLesedauer: 2 Min.
Character.AI steht nach Klagen wegen Suizid-Fällen unter massivem Druck. Nun hat der Chatbot-Anbieter Insolvenz angemeldet und einen Verkauf eingeleitet.
Der US-Chatbot-Anbieter Character.AI hat Insolvenz angemeldet. Wie das Unternehmen in seinem Blog mitteilt, wurde ein Verfahren eingeleitet, das Firmen vor dem Zugriff ihrer Gläubiger schützt, während sie saniert oder verkauft werden. Character.AI soll unter Aufsicht eines Gerichts ganz oder in wesentlichen Teilen verkauft werden. Findet sich kein Käufer, der die Plattform weiterbetreibt, wird sie nach Angaben des Unternehmens eingestellt.
Als Grund nennt Character.AI erhebliche rechtliche, regulatorische und betriebliche Schwierigkeiten im vergangenen Jahr. Nach Prüfung aller Alternativen sei der Vorstand zu dem Schluss gekommen, dass ein gerichtlich überwachter Verkauf allen Beteiligten den größten Wert bringe.
- FBI ermittelt: Spionage bei OpenAI – Mitarbeiter versteckte Wanze im Büro
- Datenschutz-Studie: KI-Chatbots geben Gesprächsdaten an Werbefirmen weiter
Disney hat bereits ein erstes Angebot über 20 Millionen US-Dollar für eine unbefristete Lizenz an Teilen der Technik von Character.AI sowie bestimmte Rechtsansprüche abgegeben. Zudem sollen ehemalige Character.AI-Mitarbeiter, die inzwischen für Disney arbeiten, den Betrieb übergangsweise unterstützen.
Verkauf für Ende des Jahres geplant
Andere Interessenten können das Angebot im Verfahren überbieten. Der Verkauf soll Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen sein. Im September hatte Disney bereits den damaligen Character.AI-Chef Karandeep Anand als Technikchef eingestellt.
Nach Angaben von Character.AI läuft die Plattform vorerst weiter, alle Dienste seien uneingeschränkt erreichbar. Bezahlte Abos blieben aktiv, die Abrechnung ändere sich vorerst nicht. Sollten sich kostenpflichtige Funktionen ändern, wolle das Unternehmen die Abonnenten vorab informieren. Wer seine Chats sichern möchte, kann die Daten in der App oder auf der Webseite exportieren. Dort lässt sich das Konto auch löschen.
Klagen von Familien und Bundesstaaten
Character.AI steht in den USA wegen mehrerer Klagen unter Druck. Familien werfen Chatbots der Plattform vor, Jugendliche zu Selbstverletzung und Suizid ermutigt zu haben. Anfang 2026 legte das Unternehmen mehrere solcher Verfahren per Vergleich bei, darunter den Fall eines 14-Jährigen aus Florida. In einem anderen Verfahren geht es um den Vorwurf, der Chatbot habe sich als zugelassener Arzt ausgegeben. Seit Ende 2025 dürfen Nutzer unter 18 Jahren auf der Plattform keine offenen Chats mehr führen.
Gegründet wurde Character.AI 2021 von zwei ehemaligen Google-Entwicklern. Auf der Plattform chatten Nutzer mit KI-Figuren, die etwa Prominente oder fiktive Charaktere nachahmen, oder erstellen eigene. 2024 zahlte Google Medienberichten zufolge 2,7 Milliarden US-Dollar für eine Lizenz an der Technik. Die beiden Gründer und weitere Mitarbeiter wechselten im Zuge dessen zu Google.















