Leidige Zeiten
Eine andere Erkenntnis aus diesem Kader von 44 Spielern aber ist diese: Die Zeit der Positionsexperimente ist endgültig vorbei. Unter Klopps Vorgänger Nagelsmann nämlich bekamen wir mitunter wilde Versuche in den Aufstellungen zu sehen – Kai Havertz musste mal als Außenverteidiger ran, dann kam auch noch die Diskussion um Joshua Kimmich, den er immer wieder als Rechtsverteidiger spielen ließ. Dann versuchte er es mal mit einer Dreierkette, ging wieder zurück zur Viererkette – und die Verunsicherung war komplett.
Bei einem Blick auf die Spieler, die nun nominiert wurden, ist klar: Da wird niemand positionsfremd spielen müssen – ein ganz einfacher, aber nichtsdestotrotz genialer Schachzug des neuen Bundestrainers. Denn so verhindert er die zwangsläufige Verunsicherung und die Diskussionen, die noch bei Nagelsmann sowohl bei den Spielern als auch in der Öffentlichkeit aufkamen. Diese leidigen Zeiten müssen endgültig vorbei sein.
Nagelsmann hatte die Angewohnheit, einfachste Personalentscheidungen, Überlegungen und Abläufe unnötig zu verkomplizieren und zu verwissenschaftlichen. Herausgekommen sind dabei ein EM-Aus im Viertelfinale und jetzt das Scheitern im Sechzehntelfinale der WM. Was sagte Klopp nun? Er vertraue vor allem auf sein eigenes Urteil und das seines Trainerstabs. „Ich kann die Informationen, die ich über meine Augen bekomme, richtig interpretieren.“ Er wolle sich viele Spiele in den Stadien ansehen, um Spieler zu beobachten und Eindrücke zu gewinnen – endlich.
Im Video | Die versteckte Botschaft hinter Klopps Kappe
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Was bei Nagelsmann oft bemängelt wurde, setzt Klopp um: Er reist umher, um zu scouten. Und das ist auch seine verdammte Pflicht. „Das, was ich höre, wenn ich mit dem Spieler spreche, und das, was ich dann sehe, wenn ich mit ihm arbeite, das macht mein Bild.“ Besser kann man es nicht sagen. Er will nah dran sein, in vorderster Reihe, er setzt um, was er ankündigt – und bleibt damit glaubwürdig.
Klopp hat seinen Vorgängern gegenüber ohnehin den Vorteil, dass man ihm durch seinen hervorragenden Ruf als Erfolgstrainer und Publikumsliebling ohnehin mehr durchgehen lässt als den meisten anderen Trainern. Und das tut am Ende auch seinen Spielern gut, die sich dann nicht beim ersten Fehler sofort vor 83 Millionen Bundestrainern rechtfertigen müssen. Einfach an Klopps Mütze denken, die er bei dieser Pressekonferenz trug.














