Mittelalter-Schiff in Keller entdeckt
„Überraschung schlechthin“: Sensationsfund am Bodensee
Aktualisiert am 27.08.2026 – 15:25 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein ungewöhnlicher Fund begeistert Fachleute in Konstanz am Bodensee. Dort wurden Überreste eines alten Schiffs entdeckt – aber nicht im See, sondern mitten in der Altstadt.
Bei der bauhistorischen Untersuchung eines alten Kellers in der Konstanzer Konradigasse hat ein Team von Wissenschaftlern einen außergewöhnlichen Fund gemacht. Es sei „die Überraschung schlechthin“ gewesen, sagte Aline Kottmann, Fachreferentin für Mittelalterarchäologie am baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege.
Für die Decke des Kellers aus dem Jahr 1244 wurden demnach Teile eines mittelalterlichen Schiffs benutzt. Erste Analysen deuten darauf hin, dass es sich um Überreste eines flachbodigen Lastsegelschiffs handelt.
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Die Decke überspannt dem Landesamt zufolge eine Fläche von mehr als 25 Quadratmetern und besteht aus mindestens 19 Bohlen, die charakteristische Holznägel, Nagelreihen und typische Plankenformen aufweisen. Dass ausgediente Schiffe im Mittelalter als Bauholz wiederverwendet wurden, sei bekannt, erklärte die Archäologin Alexandra Ulisch: „Trotzdem ist der Fund in Konstanz etwas ganz Besonderes: Hier wurden nicht nur einzelne Fragmente, sondern ein fast vollständig zusammenhängender Schiffsrumpf verbaut.“

Bemerkenswert seien unter anderem mehrere Reparaturstellen an den Planken. Und Ulisch hofft: „Sollten sich tatsächlich Teile der Seitenbeplankung erhalten haben, wären neue Erkenntnisse zur Konstruktion mittelalterlicher Schiffe und zur Gestaltung des Übergangs zwischen Boden- und Seitenplanken möglich.“
„Ein wertvolles Zeugnis mittelalterlicher Schiffbautechnik“
Mitte August wurde der Fund dreidimensional erfasst. Dabei wurden Hunderte Bilder aufgenommen, die nun am Rechner zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden. Zudem wurden Holzproben für eine dendrochronologische Analyse entnommen, bei der Jahrringmuster verglichen werden, um das genaue Alter des Schiffs ermitteln zu können.
Landesamt-Fachreferentin Kottman hebt hervor, dass die wissenschaftliche Bedeutung des Fundes vor allem im außergewöhnlichen Erhaltungszustand bestehe: „Während die ohnehin wenigen mittelalterlichen Wracks des Bodensees unter Wasser liegen und nur unter erheblichem Aufwand untersucht werden können, sind die Hölzer der Konradigasse in einer deutlich zugänglicheren Umgebung erhalten“, erklärte sie. Daher würden sie ideale Voraussetzungen für weitere Analysen bieten. Der Fund gehe weit über einen zufälligen Nebenfund hinaus. Er sei „ein wertvolles Zeugnis mittelalterlicher Schiffbautechnik und von besonderer Bedeutung für die Schiffsarchäologie des Bodenseeraums“.












