Ja, am 8. Juli. Damals war es ein Gletscher in Tibet, also auf der chinesischen Seite der Grenzregion. Wo der aktuelle Dammbruch stattgefunden hat, weiß man noch nicht. Wir schauen uns das gerade an. Wir gehen aber davon aus, dass er wieder im chinesischen Teil des Himalaya gewesen ist.
Zum Dammbruch ist es also nach ihrer Einschätzung auf der chinesischen Seite gekommen, die Sturzwelle ging aber in Richtung von Nepal ab?
Genau. Wenn der Damm bricht, fließt das Wasser den Fluss entlang.
Der Trishuli-Fluss entspringt im Tibet und fließt durch das Grenzgebiet in Nepal und später durch Zentral-Nepal. Durch das Flusstal verläuft eine bedeutende Strassenverbindung von China nach Nepal, auf der viel Waren direkt nach Kathmandu transportiert werden.
Zur Person
Prof. Dr. Bodo Bookhagen ist Geomorphologe und auf die Analyse von Geländeformen spezialisiert. Er arbeitet in Hochgebirgsregionen und untersucht dort anhand geomorphologischer Daten die tektonische Entwicklung von Gebirgsgürteln sowie mithilfe kosmogener Datierung die Dynamik von Sedimenten. An der Universität Potsdam ist er Leiter der AG Geologische Fernerkundung.
Auf den Bildern sieht man nicht nur Wasser, sondern gewaltige Mengen Geröll.
Ja, während sich die Flutwelle talwärts bewegt, wird Geröll aufgenommen. Und genau das ist das Gefährliche daran. Allein das Wasser ist bereits zerstörerisch. Aber bei der Kombination aus Sediment und Wasser werden zum Teil hausgroße Blöcke mitgerissen und vorwärtsgerollt. Da wird alles zermalmt. Es können Blöcke von Auto- bis Hausgröße durch das Tal getrieben werden. Die größte Zerstörungskraft liegt bei diesen Gesteinsblöcken.
Auch Wasserkraftwerke liegen in diesem Tal. Was passiert, wenn eine solche Welle darauf trifft?
Das schnell fließende Wasser untergräbt die Betonbauten. Dann fehlt den Bauwerken gewissermaßen das Fundament. Hinzu kommen die großen Gesteinsblöcke. Wenn eine Mauer nur einen halben Meter dick ist, kann sie durch einen großen Stein relativ einfach zerstört werden. Nach meinen Informationen ist ein größeres Wasserkraftwerk zerstört worden. Weitere Informationen dazu habe ich im Moment aber noch nicht. Unser Stationsnetzwerk vor Ort ist seit Mittwochmorgen 6 Uhr nicht mehr erreichbar.
Welche Überlebenschancen hat ein Mensch, der direkt von einer solchen Geröllflut erfasst wird?
Für jeden, der direkt am Wasser gewesen ist, wird es praktisch unmöglich, zu überleben. Aber die Menschen dort sind für solche Ereignisse sensibilisiert. Man kann die Flut schon vorher wahrnehmen. Ein paar Minuten, vielleicht sogar zehn Minuten vorher hört man das Wasser und die Gerölllawine kommen. Und man spürt die Vibrationen.
Im Video | Sturzflut im Himalaya – 384 Vermisste bislang
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