AfD-Chefin beschimpft Regierung
Warum eigentlich „Flachzange“?
24.08.2026 – 10:46 UhrLesedauer: 3 Min.

„Irgendwelche Flachzangen“ – so hat Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview die Bundesregierung verhöhnt. Woher kommt eigentlich dieses Schimpfwort, und was ist eigentlich eine Flachzange?
Sie habe die Nase voll, so hat sich AfD-Chefin Alice Weidel zur besten Sonntags-Sendezeit empört, von „irgendwelchen Flachzangen“ angelogen zu werden, die „da oben sitzen und irgendwas versprechen und genau das Gegenteil von dem tun“.
Gemeint war die Bundesregierung, namentlich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), und die Bezeichnung war ganz offenkundig nicht als Kompliment gemeint. Aber wie war sie gemeint? Was ist eine Flachzange genau, wie wurde sie zum Schimpfwort und was genau meint diese Schmähung?
Was ist eine Flachzange?
Eine Flachzange darf in keinem gut sortierten Werkzeugkasten fehlen. Ihre Enden, die sogenannten Backen, sind rechteckig und innen rau geriffelt. Handwerker benutzen sie, um Werkstücke sicher und fest greifen und drehen zu können, ohne ihre Oberfläche zu beschädigen. Wer einfache Tätigkeiten verrichtet und etwa Draht und dünnes Blech biegen möchte, der wird eine Flachzange als nützlich erleben. Wer hingegen filigraner oder in engen Zwischenräumen arbeiten muss, der greift eher zur Spitzzange, deren Backen nach vorn hin schmaler werden und biegsamer sind, ähnlich einer Pinzette.

In diese Richtung zielt auch das Schimpfwort ab. Wenn jemand als „Flachzange“ bezeichnet wird, so wie im aktuellen Fall Merz und Klingbeil durch Alice Weidel, dann weist ihm das Schimpfwort einen eher simplen Intellekt zu, eine eher grobschlächtige Auffassungsgabe und wenig detaillierte Kompetenz. Die Flachzange ist als Werkzeug eher plump und einfach und taugt wenig für feinere Aufgaben.
Wer also „Flachzange“ genannt wird, ist aus der Sicht des Absenders im übertragenen Sinne eher schlicht gestrickt, wenig tiefgründig und nicht besonders kompetent. Sanfter betont und möglicherweise lächelnd vorgetragen ist „Flachzange“ eine eher milde, humorvolle Stichelei für jemanden, der gerade etwas nicht versteht und sprichwörtlich „auf dem Schlauch steht“. Unter Freunden kann es neckisch gemeint sein
Mit Wut und Häme ausgedrückt meint das Schimpfwort aber durchaus „Idiot“, „Trottel“ oder „Dummkopf“. Artverwandt sind etwa „Vollpfosten“, „Hohlbirne“, „Tiefflieger“ oder „Dünnbrettbohrer“.
„Flachzange“: Durch diese Sendung fand das Schimpfwort Verbreitung
Wie und wann genau aus dem Werkzeug eine Verunglimpfung wurde, ist nicht bekannt. Im hiesigen Sprachraum fand das Schimpfwort große Verbreitung durch die deutsche Synchronisation der amerikanischen Krankenhaus-Comedyserie „Scrubs“. Sie entstand Anfang der 2000er in den USA.
Der Privatsender ProSieben holte sie 2003 nach Deutschland und ließ sie auf Deutsch adaptieren. Einer der „Running Gags“ in den übersetzten Folgen ist, dass der zynische und verbitterte Arzt „Dr. Cox“ (gespielt von John C. McGinley) den Hauptdarsteller „JD“ (Zach Braff), einen unerfahrenen Nachwuchsmediziner, wegen dessen unbedarfter Tollpatschigkeit regelmäßig als „Flachzange“ beschimpft. Ob die AfD-Chefin allerdings jemals „Scrubs“ geschaut hat, ist unbekannt.














