Hotel-Knigge
Warum gelten Deutsche im Hotel oft als unhöflich?
Aktualisiert am 22.07.2026Lesedauer: 3 Min.

Deutsche sprechen es meist direkt an, wenn Ihnen etwas nicht passt. Eine Knigge-Expertin nennt es „unverblümt“. In anderen Ländern wird die Art aber oft als unhöflich empfunden – eine Diskussion.
Wir Deutschen genießen im Ausland nicht immer den Ruf, die charmantesten Gäste zu sein. Zu direkt, zu kritisch, zu wenig Small Talk – so lauten zumindest einige der gängigen Vorurteile. Besonders im Hotel, wo Freundlichkeit, Geduld und gute Umgangsformen eigentlich zur Grundausstattung gehören sollten, gelten deutsche Reisende in der Wahrnehmung anderer nicht unbedingt als beliebt.
Der renommierte britische Etikette-Experte William Hanson, Leiter des Londoner Instituts „The English Manner“, hat sich für die BBC mit der Frage beschäftigt, warum sich manche Menschen im Hotel offenbar anders benehmen als in den eigenen vier Wänden.
„Da es sich um eine geschäftliche Vereinbarung handelt, glauben manche Leute fälschlicherweise, sie hätten das Recht, sich anders zu verhalten, als sie es zu Hause tun würden“, schreibt Hanson. Das könne sich darin zeigen, dass Gäste ihr Zimmer in einem furchtbaren Zustand hinterließen oder unhöflich mit dem Personal umgingen.
Sind Briten einfach zu höflich?
Besonders wenig schmeichelhaft fällt Hansons Blick auf die Wahrnehmung deutscher Gäste aus. „Die Briten halten Amerikaner und Deutsche für die unhöflichsten Gäste“, schreibt er. Allerdings macht der Benimm-Experte zugleich deutlich, dass sich die Briten seiner Ansicht nach von den Amerikanern durchaus etwas abschauen könnten.
Denn Amerikaner hätten keine Hemmungen, ein Problem frühzeitig und klar anzusprechen. Britische Gäste hingegen seien oft so höflich, dass sie eine Beschwerde zunächst gar nicht äußerten – um sich später umso ausführlicher darüber zu beklagen.
An diesem Punkt kommt die deutsche Art ins Spiel. Denn auch Deutsche sind bekannt dafür, Probleme eher früher als später anzusprechen. Offenbar wird diese Direktheit jedoch nicht immer als hilfreich, sondern gelegentlich als unhöflich wahrgenommen.
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„Unverblümt“ und ohne Floskeln
Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft, sieht das anders. Sie sagte t-online: „Die Deutschen sind nicht unhöflicher als andere Nationen, sondern einfach nur direkter in dem, was sie sagen. Wir äußern Kritik, ohne sie zuvor in schöne Worte oder Eventualitäten zu verpacken, sind dann aber geduldig und fair im Umgang.“ Für diese Art gebe es ein passendes Wort: „unverblümt“.














