Streit beim Autobauer
Mercedes droht mit Schließung von zwei deutschen Werken
Aktualisiert am 22.09.2026 – 13:26 UhrLesedauer: 2 Min.
Länger arbeiten fürs gleiche Geld oder zwei Werke schließen: Mercedes verschärft den Ton gegenüber der Belegschaft. Die IG Metall stellt sich quer.
Im Streit zwischen Management und Betriebsrat bei Mercedes-Benz droht der Autobauer mit dem Aus für zwei Werke in Deutschland. „Es ist unser klares Ziel, alle deutschen Standorte zu erhalten“, sagte Produktionschef Michael Schiebe auf einer Betriebsversammlung am Montag im Werk Sindelfingen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dafür müssten die Kosten aber gesenkt werden. „Gelingt uns dies nicht, werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen müssen.“
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Mercedes bestätigt damit erstmals offiziell die Warnungen des Vorstands, über die Medien berichtet hatten. Die Unternehmensführung hatte im Juni angekündigt, die Produktivität müsse in Deutschland angesichts der Belastungen durch das schwache China-Geschäft und höhere US-Zölle steigen. Um Kosten zu senken, fordert das Management, für das gleiche Geld länger zu arbeiten. Der Betriebsrat wies das zurück.
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Mercedes produziert in Ungarn 70 Prozent billiger
Auf Betriebsversammlungen an allen Standorten führen Vorstandsmitglieder den Beschäftigten in diesen Tagen den großen Kostennachteil Deutschlands gegenüber Osteuropa aufgrund höherer Löhne, weniger Arbeitszeit und mehr Krankheitstagen vor Augen. Im ungarischen Werk Kecskemet, das zum größten Produktionsstandort in Europa erweitert wird, sind die Kosten 70 Prozent niedriger als hierzulande.
„Mercedes-Benz ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und transparent zu informieren – auch bei schwierigen Entscheidungen“, ergänzte der Autobauer. Welche Werke infrage gestellt werden, ist offen. Montagewerke hat die Marke mit dem Stern in Sindelfingen bei Stuttgart, Rastatt und Bremen. Antriebe (Powertrain) und Komponenten werden unter anderem im Stammwerk Untertürkheim, in Berlin und in Hamburg gefertigt.
Arbeitszeit soll auf 38 Stunden pro Woche steigen
Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ verlangt das Unternehmen vom Betriebsrat, die 35-Stunden-Woche abzuschaffen und die Arbeitszeit auf 38 Wochenstunden zu erhöhen. Die Arbeitszeit ist allerdings im Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie verankert. Die IG Metall lehnt eine Abschaffung der 35-Stunden-Woche ab, wie zum Auftakt der bevorstehenden Tarifrunde betont wurde.
Die vor drei Jahrzehnten mit Streiks und Zugeständnissen errungene Arbeitszeitverkürzung hat für die Gewerkschaft eine große Symbolkraft. Die Krise der Autoindustrie müsse durch neue Produkte und politischen Schutz vor Billigkonkurrenz aus China bekämpft werden, hatte IG-Metall-Chefin Christiane Benner erst am Montag bei einem bundesweiten Aktionstag gegen Jobabbau in der Autoindustrie erklärt.













