August 28, 2026 3:59 p.m. CEST

„Kaviar schmeckt fantastisch“

Windkraft-Hochstapler schickt „Liebesgrüße aus Moskau“


Aktualisiert am 28.08.2026 – 12:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Hendrik Holt vor dem Landgericht Osnabrück (Archivbild): Insgesamt kassierte er fast neun Jahre Haft. (Quelle: Friso Gentsch/dpa)

In Deutschland sucht ihn die Polizei. Hendrik Holt postet trotzdem einen Standort: Demnach lässt er in Moskau die Puppen tanzen.

Ein zu langer Haft verurteilter Millionenbetrüger ist auf der Flucht – und wendet sich im Internet an seine 55.000 Instagram-Follower: Kurz nachdem bekannt wurde, dass sich der 36-Jährige am Dienstagabend nach einem Freigang nicht zurück in der JVA Heidering bei Berlin gemeldet hatte, sind jetzt zwei Beiträge auf dem Profil von Hendrik Holt aufgetaucht.

„Liebesgrüße aus Moskau“, heißt es in der einen am Donnerstag publizierten Story vor nächtlicher Kulisse. „Sehr schön hier. Der Kaviar ist fantastisch“, ist dazu notiert. Die zweite Story zeigt einen kurzen Videoclip: Darin schwenkt die Kamera auf die Fassade des Moskauer Puppentheaters an der Spartakowskaja-Straße.

Hendrik Holt: Konzerne zahlten Millionen für heiße Luft

Marionetten, tanzende Puppen, Pinocchio. Das weckt Assoziationen: Hendrik Holt ist berühmt geworden, weil er internationalen Energiekonzernen vorgaukelte, ausgedehnte Windpark-Projekte in Deutschland zu entwickeln und damit viel Geld verdienen zu können. In Wahrheit fälschte er mithilfe seiner Mutter und Geschwistern Unterschriften und Behördenschreiben und verkaufte für hohe Summen nichts als heiße Luft.

Instagram-Story auf Holts Profil: Der Hochstapler scheint sich nach Moskau abgesetzt zu haben. (Quelle: Screenshot)

Der Hochstapler, der edle Anzüge, Einstecktücher und vornehme Manieren genauso schätzt wie ausschweifende Partys, wurde 2020 im Berliner Adlon festgenommen, kurz bevor er sich in den Libanon absetzen konnte. 2022 verurteilte ihn das Landgericht Osnabrück zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs, später kamen – unter anderem wegen Verleumdung von Jens Spahn – insgesamt weitere 14 Monate hinzu.

Dubiose Geschäfte aus dem Gefängnis?

Hendrik Holt (Archivbild): Der Windkraft-Betrüger liebt edle Kleidung. (Quelle: Carmen Jaspersen/dpa)

Zuletzt hatte die „Welt“ berichtet, dass Holt offenbar Mitte 2025 über Mittelsleute den Flughafen Rostock aus dem Gefängnis heraus kaufen ließ. Auch dabei soll es nicht sauber zugegangen sein. Der Verdacht: Beim Kauf könnte ergaunertes Geld eingesetzt worden sein. Gegen Holt wurde eine Strafanzeige wegen Betrugs gestellt.

Noch immer läuft Berichten zufolge außerdem ein Insolvenzverfahren gegen ihn. Seine Gläubiger fordern demnach mehr als 40 Millionen Euro.

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