Menge entspräche beim Menschen zwei Bier
Affen gönnen sich jeden Tag Alkohol
18.09.2025 – 14:13 UhrLesedauer: 3 Min.
Laut einer Studie aus den USA ist Alkohol bei Schimpansen ein fester Bestandteil des Speiseplans. Die Menschenaffen nehmen täglich eine „substanzielle Dosis Alkohol“ zu sich.
Seine nächsten Verwandten aus dem Tierreich machen es dem Menschen gleich: Auch wilde Schimpansen genießen regelmäßig Alkohol. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichte Studie. Beim Fressen reifer Früchte nehmen Schimpansen demnach kleinere Mengen von Ethanol – also gewöhnlichem Trinkalkohol – zu sich. Die Wissenschaftler sehen Ähnlichkeiten zum menschlichen Trinkverhalten.
Ein internationales Team um die Biologen Aleksey Maro und Robert Dudley von der University of California in Berkeley untersuchte für die Studie den Alkoholgehalt der Früchte, die Schimpansen in Uganda und an einem Standort in der Elfenbeinküste häufig fressen. Die reifen Früchte von 20 unterschiedlichen Arten enthielten im Mittel rund 0,3 Prozent Ethanol. Besonders beliebt sollen bei den Affen dabei Feigen gewesen sein – laut Studie eine der Obstsorten mit den höchsten gemessenen Alkoholwerten.
Aus diesen Werten entwickelten die Wissenschaftler eine Rechnung: Da Schimpansen pro Tag etwa 4,5 Kilogramm Früchte verzehren, nehmen sie durchschnittlich rund 14 Gramm Alkohol auf. Das entspricht in etwa der Menge, die in einem 0,33-Liter-Bier enthalten ist. Um den Effekt mit dem menschlichen Alkoholkonsum zu vergleichen, muss der Alkohol zudem auf das geringe Körpergewicht der Schimpansen angepasst werden. So ist die Alkoholmenge vergleichbar damit, wenn ein Mensch zwei kleine Bier trinkt.
Die Forschenden schreiben, dass diese Raten ähnlich zu heutigen gängigen Trinkmustern beim Menschen sind. Robert Dudley erklärt: „Weil die Tiere täglich fünf bis zehn Prozent ihres Körpergewichts an reifen Früchten fressen, führen schon niedrige Konzentrationen zu einer hohen Tagesmenge – also einer substanziellen Dosis Alkohol.“
Die Schimpansen zeigten dabei allerdings keine auffälligen Anzeichen von Trunkenheit. „Der Verzehr zieht sich über den Tag, und wir sehen keine offensichtlichen Rauschzeichen“, sagte Aleksey Maro. „Um überhaupt einen Schwips zu bekommen, müsste ein Schimpanse so viel Obst essen, dass der Magen übervoll wäre.“
Klar ist jedoch: Alkohol ist ein regelmäßiger Bestandteil ihrer natürlichen Ernährung. Ob die Tiere gezielt besonders reife, zuckerreiche und damit alkoholhaltigere Früchte bevorzugen, bleibt offen.
Die Forschenden betonen, dass der Alkohol in tropischen Früchten kein Zufallsprodukt ist. Wenn Früchte reifen, wird ihr Zucker von Hefepilzen vergoren, die überall in der Natur vorkommen. Dabei entsteht automatisch Alkohol. Wer also reife Früchte zu sich nimmt – ob Schimpanse oder Mensch –, nimmt damit fast zwangsläufig auch geringe Mengen davon auf.












