September 14, 2026 8:34 p.m. CEST

3,8 Promille und noch am Leben

Wiesn-Arzt berichtet von extremen Fällen


14.09.2026 – 12:58 UhrLesedauer: 3 Min.

2025: Wiesn-Sanitäter bringen einen medizinischen Notfall in die Aicher Ambulanz zur Untersuchung. (Quelle: IMAGO/Wolfgang Maria Weber)

Von 1.000 Wiesn-Gästen landet etwa einer in der Ambulanz, erzählt der zuständige Sanitätsarzt. Was sind die häufigsten Gründe? Und gibt es auf dem Oktoberfest eine verstärkte Gefahr von Überfällen mit K.-o.-Tropfen?

Millionen Wiesn-Fans aus aller Welt fiebern dem Oktoberfest entgegen. Vom 19. September bis zum 4. Oktober wird auf der Münchner Theresienwiese wieder gefeiert. Für Sicherheitskräfte, Sanitäter und Ärzte beginnt damit allerdings auch eine besonders arbeitsreiche Zeit. Allein im vergangenen Jahr wurden 7.158 Patientinnen und Patienten in der Sanitätsstation der Aicher Ambulanz versorgt.

Deren Chefarzt Philip Kampmann hat nun im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärt, was auf der Wiesn besonders gefährlich werden kann – und welche einfachen Regeln im Ernstfall entscheidend sind.

  • Kaiserschmarrn-Schock: Wiesn-Wirte ziehen Preise an
  • Satter Preis: Dirndl-Kleid von Adidas fällt bei t-online-Lesern durch

Festes Schuhwerk und gute Freunde

Zu den häufigsten Problemen gehören Kampmanns Aussage nach Alkoholvergiftungen, Kreislaufbeschwerden und Schnittverletzungen durch zerbrochene Maßkrüge oder Gläser. Er rät Besucherinnen und Besuchern deshalb unter anderem zu festem Schuhwerk. Gerade bei Hitze könne der Kreislauf in Kombination mit Alkohol schnell Probleme machen. Sein zweiter Sicherheitstipp: Mit guten Freunden unterwegs sein.

Dass der Alkohol für die Einsatzkräfte eine der größten Herausforderungen ist, zeigt sich auch an Extremfällen. Im vergangenen Jahr habe die Sanitätsstation bei einem Besucher einen Atemalkoholwert von 3,8 Promille gemessen, berichtet Kampmann. „Das ist schon knackig“, sagte der Mediziner. Der Mann sei dennoch bei Bewusstsein gewesen. Bei einem solchen Wert, so Kampmann, seien viele Menschen bereits tief bewusstlos. Besonders eindrücklich beschreibt er, welche Mengen manche Besucher auf dem Oktoberfest trinken. Regelmäßig kämen Patienten in die Sanitätsstation, die nach eigenen Angaben bis zu zwölf Maß Bier konsumiert hätten.

  • Freibier auf der Wiesn? Promi gibt wichtigen Tipp

Trotz der vielen Einsätze versucht das Team, möglichst viele Patienten direkt auf der Wiesn zu behandeln. Die Ambulanz verfügt unter anderem über zwei Operationsräume und einen Computertomografen. Das CT kommt beispielsweise dann zum Einsatz, wenn nach einem Sturz oder einem Schlag mit einem Maßkrug der Verdacht auf eine Kopfverletzung besteht. Nur ein kleiner Teil der Patienten muss anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden. Kampmann zufolge lag die Abtransportquote im vergangenen Jahr bei unter zwei Prozent. Ziel sei es, die Menschen so weit zu stabilisieren, „dass sie auf ihren zwei Beinen wieder nach Hause gehen können“.

K.-o.-Tropfen: Bestätigte Verdachtsfälle sind selten

Ein Thema, das viele Wiesn-Besucher beschäftigt, sind sogenannte K.-o.-Tropfen. Kampmann warnt davor, die Gefahr zu unterschätzen. Substanzen wie Gammahydroxybuttersäure, auch als Liquid Ecstasy bekannt, könnten stark sedieren und im schlimmsten Fall zu Atemstillstand und Tod führen. Besonders tückisch sei, dass sich manipulierte Getränke nicht ohne Weiteres erkennen ließen. Die Stoffe seien weder zu sehen noch zu schmecken. Zugleich ordnet der Arzt die Gefahr ein. Im Verhältnis zu den Hunderttausenden Besuchern an einzelnen Wiesn-Tagen seien bestätigte Verdachtsfälle vergleichsweise selten. Alkoholvergiftungen seien wesentlich wahrscheinlicher.

Aktie.
Die mobile Version verlassen