Oktober 9, 2026 3:31 p.m. CEST

Geschenke von Pharmaunternehmen

Was Ärzte verordnen, könnte durch Firmen beeinflusst sein


09.10.2026 – 14:41 UhrLesedauer: 3 Min.

Patientin im Gespräch mit ihrem Arzt (Symbolbild): Wer ein Medikament verordnet bekommt, sollte seinen Arzt gezielt nach wichtigen Details zur Einnahme, Sicherheit und Wirkung fragen. (Quelle: Miljan Živković/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Ärzte, die Geschenke von Pharmafirmen erhalten, verschreiben mehr Medikamente – und häufiger Mittel, die nicht offiziell empfohlen werden. Wie können Patienten sich schützen?

Ein Gratis-Mittagessen, eine Einladung zum Fachkongress, ein Honorar für einen Vortrag: Pharmaunternehmen tun viel, um die Aufmerksamkeit von Ärzten zu gewinnen. Mit solchen Zuwendungen versuchen sie auch zu beeinflussen, welche Medikamente Ärzte ihren Patienten verschreiben. Aber funktioniert das tatsächlich?

Eine neue große Untersuchung legt genau das nahe. Ärzte, die Geld oder Geschenke von Pharmaunternehmen bekommen, verordnen insgesamt öfter Arzneimittel und halten sich dabei seltener an offizielle medizinische Empfehlungen.

93 Studien zum Thema ausgewertet

Die auf Pharmapolitik spezialisierte Wissenschaftlerin Barbara Mintzes von der Universität Sydney und ihre Arbeitsgruppe führten keine eigenen Experimente durch. Stattdessen wertete das Team 93 bereits veröffentlichte Studien zu seiner Fragestellung aus. Von diesen stammten 82 aus den USA und elf aus Europa. Die Studien untersuchten verschiedene Arten von Einflussversuchen der Pharmahersteller:

  • Werbung und Fortbildung: Pharmavertreter besuchen etwa Ärzte in ihrer Praxis und stellen ihnen ein Medikament ihres Unternehmens vor. Oder eine Pharmafirma finanziert eine Fortbildung, bei der Ärzte Informationen über neue Arzneimittel und Behandlungsmöglichkeiten erhalten.
  • Geschenke und Zahlungen: Pharmafirmen laden Ärzte mitunter zum Mittagessen ein, übernehmen Reise- und Übernachtungskosten für Fachkongresse oder bezahlen ihnen Honorare für Vorträge.
  • Kostenlose Medikamentenmuster: Pharmaunternehmen geben Ärzten kostenlose Probepackungen ihrer Arzneimittel, die diese an Patienten weitergeben können.

Die Wissenschaftler verglichen nun, wie Ärzte mit solchen Kontakten zur Pharmaindustrie und ohne sie Medikamente verschrieben.

Vor allem Geschenke und Honorare wirken sich aus

Die Analyse zeichnet ein klares Bild: Ärzte, die Geschenke oder Zahlungen von Pharmafirmen erhalten, verschreiben öfter Mittel, die nicht den medizinischen Behandlungsempfehlungen entsprechen. Das ergaben zehn Studien mit insgesamt rund 2,9 Millionen Ärzten und anderen verschreibenden Fachpersonen.

In 39 Studien mit rund 3,9 Millionen Verordnenden zeigte sich außerdem, dass Ärzte mit solchen Zuwendungen insgesamt mehr Medikamente verschrieben.

Nur dokumentieren? Von wegen!

Manche Ärzte erhalten auch Geld dafür, dass sie ein Pharmaunternehmen beraten oder dokumentieren, wie Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wozu das führen kann, zeigt eine Studie aus Deutschland: Ärzte, die gegen Bezahlung die Anwendung eines Medikaments dokumentierten, verordneten davon im Jahr ihrer Teilnahme acht Prozent mehr Packungen als vergleichbare Kollegen ohne eine solche Tätigkeit. Im darauffolgenden Jahr waren es immer noch sieben Prozent mehr.

Schon kleine Zuwendungen genügen

Die Befunde sprechen für eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger Ärzte solche Zuwendungen erhalten oder je wertvoller sie sind, desto deutlicher fallen die Veränderungen aus. Dieses Muster fanden die Forscher in 49 der 62 Studien zu Geschenken und Zahlungen – also in fast 80 Prozent.

Allerdings zeigte sich in den Studien auch, dass bereits eine von der Pharmafirma bezahlte Mahlzeit mit Veränderungen bei den Verordnungen einhergehen kann. Teure Geschenke braucht es dafür nicht.

In einer Pressemitteilung sagt Studienautorin Barbara Mintzes über Ärzte, die solche Einladungen für harmlos halten: „Sie glauben, man könne sie nicht ‚für ein belegtes Brötchen kaufen‘. Die Daten zeigen aber, dass diese Marketingstrategie wirkt.“

Auch Werbung und Fortbildungen durch Pharmafirmen gehen wahrscheinlich mit mehr Verschreibungen einher. Möglicherweise weichen Ärzte dadurch häufiger von medizinischen Empfehlungen ab. Allerdings ist die Studienlage hierzu weniger eindeutig. Ob kostenlose Medikamentenmuster das Verschreibungsverhalten beeinflussen, bleibt unklar.

Was die Studie nicht beweisen kann

Fast alle ausgewerteten Studien sind Beobachtungsstudien. Diese können keine ursächlichen Zusammenhänge beweisen. Ob die Zuwendungen der Pharmafirmen tatsächlich die Ursache für das veränderte Verschreibungsverhalten waren, lässt sich also nicht mit Gewissheit sagen.

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