Oktober 8, 2026 4:27 p.m. CEST

Laut Studie

Was eine Sprachprobe über Alter und Gehirn verrät


08.10.2026 – 15:18 UhrLesedauer: 3 Min.

Ist das Sprachalter weiter fortgeschritten als das Lebensalter, kann das auf Veränderungen im Gehirn hindeuten. (Symbolbild) (Quelle: demaerre/getty-images-bilder)

Sprechtempo, Wortwahl und Pausen: Eine neue Studie zeigt, wie Sprachmerkmale mit dem Alter und kognitiven Einschränkungen zusammenhängen.

Um Veränderungen im Gehirn frühzeitig zu erkennen, nutzen Forscher bislang bestimmte Untersuchungen, wie Tests zur Gedächtnisleistung oder die Messung von Biomarkern im Blut. Doch einer kürzlich erschienenen Studie zufolge könnte auch die Sprache frühe Hinweise auf Alterungsprozesse liefern. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science Advances“.

„Sprachuhr“ als Maß für das Alter

Im Rahmen der Forschungsarbeit haben die Wissenschaftler eine sogenannte Sprachuhr entwickelt, welche anhand sprachlicher Merkmale einschätzt, wie alt ein Mensch klingt. Dafür wurden Sprachaufnahmen von insgesamt 2.928 Menschen aus Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru ausgewertet. Unter ihnen waren sowohl Personen mit gesunder geistiger Leistungsfähigkeit als auch Menschen mit Alzheimer, leichter kognitiver Beeinträchtigung oder frontotemporaler Demenz – einer Erkrankung, die anders als die klassische Alzheimerdemenz anfangs nicht mit Gedächtnisproblemen einhergeht, sondern je nach Form etwa Sprache und Verhalten verändern kann.

Die etwa vierminütigen Aufnahmen stammten aus standardisierten Sprechaufgaben. Ein computergestütztes Modell analysierte mehr als 700 Merkmale, darunter Sprechtempo, Pausen, Wortwahl, Tonhöhe und emotionalen Ausdruck. Dabei zeigten sich unterschiedliche Zusammenhänge: Sprechgeschwindigkeit, Pausen und die verwendeten Wörter gehörten zu den wichtigsten Hinweisen auf das Sprachalter. Eine veränderte Tonhöhe und ein anderer emotionaler Klang standen ebenfalls mit dem Alterungsprozess in Zusammenhang.

Die Forscher verglichen das tatsächliche Alter der Teilnehmer mit dem Alter, das das Modell anhand ihrer Sprache schätzte. Die dabei auftretende Differenz nannten sie Sprach-Alterslücke. Schätzte das Modell eine Person beispielsweise auf 70 Jahre, obwohl sie tatsächlich 60 war, betrug die Sprach-Alterslücke plus zehn Jahre. Die Sprache ließ diese Person also älter erscheinen, als sie eigentlich war.

Demenz lässt die Sprache älter klingen

Zwischen den untersuchten Gruppen traten deutliche Unterschiede zutage. Bei gesunden Teilnehmern war die Sprach-Alterslücke geringer als bei Menschen mit kognitiven Erkrankungen. Die größten Abweichungen fanden sich bei Personen mit einer sprachdominanten Form der frontotemporalen Demenz, gefolgt von anderen Formen dieser Erkrankung sowie von Alzheimer und leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Auch innerhalb der Gruppen ging eine größere Sprach-Alterslücke mit schlechteren Ergebnissen bei Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit einher. Zudem war sie insgesamt mit höheren Werten an p-Tau217 im Blut verbunden – einem Biomarker, der auf krankhafte Veränderungen im Gehirn hinweisen kann. Innerhalb der einzelnen Diagnosegruppen zeigte sich dieser Zusammenhang allerdings nur bei Menschen mit Alzheimer.

Noch ist keine Vorhersage möglich

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich anhand der Sprache erkennen lässt, wie weit der Alterungsprozess fortgeschritten ist und ob möglicherweise Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit bestehen. Eine auffällige Sprachprobe bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jemand eine Demenz entwickelt. Die Studie untersuchte die Teilnehmer nur zu einem einzigen Zeitpunkt. Daher lässt sich nicht sagen, ob Menschen mit einer größeren Sprach-Alterslücke später tatsächlich häufiger an Demenz erkranken.

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