Warnzeichen erkennen
Was die Stimme über das Demenzrisiko verraten kann
02.10.2026 – 13:38 UhrLesedauer: 3 Min.
Wenn die Stimme anders klingt, steckt dahinter oft eine harmlose Ursache. Doch eine Studie deutet nun darauf hin, dass bestimmte Stimmstörungen auch ein frühes Warnzeichen geistigen Abbaus sein können.
In Deutschland leben über 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Fachleute erwarten, dass die Zahl der Betroffenen bis 2050 auf bis zu 2,7 Millionen steigen wird. Mediziner suchen deshalb nach möglichst frühen Warnsignalen. Denn je früher eine Demenzerkrankung entdeckt wird, desto besser kann man gegensteuern – auch wenn eine Heilung bisher nicht möglich ist.
US-amerikanische Forscher haben nun herausgefunden, dass Personen, bei denen sich die Stimme verändert, möglicherweise ein höheres Risiko für geistige Beeinträchtigungen oder eine Demenz haben. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „Journal of Voice“ veröffentlicht.
Stimme als möglicher Frühmarker
Die Datenanalyse stammt von einem Forschungsteam der Drexel University in Philadelphia. Grundlage der Studie waren elektronische Gesundheitsdaten von insgesamt 833.417 Patienten, die zu Vorsorgeuntersuchungen in Hausarztpraxen kamen. Das Team verglich die geistigen Leistungen von Patienten mit diagnostizierten Stimm- oder Hörstörungen mit einer Kontrollgruppe von Patienten ohne solche Störungen.
Von einer Stimmstörung sprechen Ärzte, wenn sich die Stimme über einen längeren Zeitraum deutlich verändert: Sie klingt zum Beispiel dauerhaft heiser, brüchig, sehr leise oder kraftlos. Auch eine veränderte Tonhöhe, eine andere Lautstärke oder ein deutlich verkleinerter Stimmumfang gehören dazu. Fachleute fassen viele dieser Symptome unter dem Begriff „Dysphonie“ zusammen.
Stimmstörungen sind häufig – wenn auch oft unauffällig
Stimmstörungen kommen häufiger vor, als viele denken. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH berichten rund 17,9 Millionen Erwachsene in den USA, innerhalb der vergangenen zwölf Monate ein Problem mit der Stimme gehabt zu haben. Bei 9,4 Millionen dauerte dieses Problem eine Woche oder länger. Eine Umfrage zeigt, dass etwa 40 Prozent der Betroffenen trotz ihrer Beschwerden keinen Arzt aufsuchen.
Deutlich erhöhtes Risiko für kognitive Einbußen
Die Auswertung zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Stimmstörungen und späteren geistigen Beeinträchtigungen.
- Am höchsten war das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen in der Gruppe, in der Stimmstörung und Hörverlust gemeinsam auftraten. Personen in dieser Gruppe haben etwa ein doppelt so hohes Risiko wie Menschen ohne diese Probleme.
- Personen mit Stimmstörung, aber ohne Hörverlust hatten ebenfalls ein deutlich höheres Risiko als jene ohne Stimmstörung. Das Team beziffert diesen Unterschied auf ein um 58 Prozent höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen oder Demenz.
- Beim Hörverlust allein war das Risiko ebenfalls erhöht, aber in etwas geringerem Maße. Bei diesen Personen war das Risiko rund 27 Prozent höher als bei Menschen ohne Stimm- und Hörprobleme.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 hat gezeigt, dass auch die Sprechgeschwindigkeit und die Anzahl der Sprechpausen auf Demenz hinweisen können.
„Früheres und stärkeres Anzeichen“ als Hörverlust
Hörverlust gilt bislang als größter gut beeinflussbarer Risikofaktor für demenzielle Erkrankungen. Studien zeigen, dass eine Behandlung mit Hörgeräten und gezielte Beratung den geistigen Abbau bei gefährdeten älteren Menschen verlangsamen kann.
Die neuen Daten stellen diesen Fokus jedoch teilweise infrage. Der leitende Autor der Studie, Robert Sataloff vom College of Medicine der Drexel University, fasst die Ergebnisse so zusammen: „Unsere Arbeit zeigt, dass Stimmstörungen möglicherweise ein früheres und stärkeres Anzeichen für kognitiven Verfall sind als Hörverlust allein.“ In weiteren Studien sollte nun gezielt untersucht werden, ob eine frühzeitige Behandlung der Stimmstörung das Risiko für künftige kognitive Beeinträchtigungen senken kann – ähnlich wie bei der Therapie von Hörverlust.
Doch auch jetzt schon könne es laut Sataloff sinnvoll sein, dass Patienten mit Stimmstörungen mit einem HNO-Arzt sprechen. Dieser könne eine kognitive Untersuchung veranlassen, um Patienten bei der Erstellung eines geeigneten Behandlungsplans zu helfen.















