Raus aus dem Euro, zurück zur starken D-Mark: Was nach wirtschaftlicher Selbstbestimmung klingt, würde teuer für Deutschland.
Es ist eine Erzählung, die in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation verfängt: die Sehnsucht nach der guten alten D-Mark, die angeblich stabil und verlässlich war und deutschen Wohlstand garantierte. AfD-Chefin Alice Weidel bediente diese Währungsnostalgie im jüngsten ZDF-Sommerinterview, indem sie den Euro als instabile „Weichwährung“ brandmarkte und für eine breite Verarmung der arbeitenden Bevölkerung verantwortlich machte – das Wort „D-Mark“ allerdings vermied sie.
Doch was wie die Rettung des kleinen Mannes klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gefährliches Blendwerk. Ein Euro-Ausstieg, wie ihn die AfD fordert, käme einer wirtschaftlichen Selbstverstümmelung gleich. Denn Weidel verschweigt die Folgen für Industrie, Arbeitsplätze, Ersparnisse und Altersvorsorge.
Die „starke D-Mark“ als vermeintlicher Befreiungsschlag
Der Köder, den die AfD-Chefin auswirft, ist ökonomisch geschickt verpackt. Weidels Argumentation beruht auf der Erzählung eines großen Befreiungseffekts: Losgelöst von den strukturschwachen Volkswirtschaften Südeuropas, die den Euro wie ein Bremsklotz nach unten ziehen würden, könne Deutschland dann zu seiner wahren Stärke finden.
Dahinter steht das Versprechen, mit einer aufgewerteten deutschen Währung wirtschaftliche Souveränität zurückzugewinnen und Deutschland in einen krisenfesten, sicheren Hafen nach dem Vorbild der Schweiz oder Norwegens zu verwandeln. Ausländische Investoren, Zentralbanken und Fonds würden demnach massenhaft Euro, Dollar oder Yen in die neue deutsche Währung tauschen, um ihr Geld sicher anzulegen.
In dieser populistischen Logik erscheint die Aufwertung nicht als Risiko, sondern als verdienter „Ritterschlag“ für die heimische Produktivität – und als Schutz des Sparers vor der schleichenden Enteignung durch die europäische Geldpolitik.
Wenn die starke Währung zur wirtschaftlichen Guillotine wird
Was Weidel als „Gewinn an Stärke“ verkauft, wäre für eine Exportnation wie Deutschland jedoch eine wirtschaftliche Guillotine und würde den Wohlstand ihrer Bürger massiv gefährden.
Deutschland wickelt mehr als 50 Prozent seines Außenhandels mit der EU ab. Ein Austritt würde Zölle, Grenzkontrollen und bürokratische Hürden zurückbringen. Zugleich würde eine teure deutsche Währung Autos, Maschinen und andere deutsche Produkte im Ausland schlagartig verteuern. Die exportorientierte Industrie müsste mit massiven Umsatzeinbrüchen und Arbeitsplatzverlusten rechnen.
Hinzu käme ein zweites Problem: Deutsche Banken, Unternehmen und der Staat halten gigantische Vermögen und Forderungen im Ausland, die auf Euro lauten. Bei einer aufgewerteten deutschen Währung verlieren diese Euro-Guthaben aus deutscher Sicht massiv an Wert. Die Bundesbank müsste enorme Verluste ausweisen und könnte über Jahre, womöglich Jahrzehnte, kein Geld mehr an den Staat überweisen. Die fehlenden Milliarden müsste die Regierung durch höhere Steuern und Abgaben ausgleichen oder bei Sozialleistungen, Renten, Schulen und Infrastruktur einsparen.
Auch die private Altersvorsorge wäre betroffen. Lebensversicherungen, Pensionskassen und Sparkassen haben einen großen Teil der Ersparnisse ihrer Kunden im Ausland angelegt, häufig in auf Euro lautenden Staatsanleihen etwa aus Frankreich, Italien oder Spanien. Wird die deutsche Währung aufgewertet, schrumpft der Wert dieser Anlagen in den Bilanzen deutscher Versicherer. Private Renten und Lebensversicherungen könnten massiv an Wert verlieren – im schlimmsten Fall drohten dann sogar Pleiten.













