Natur reduziert nachweislich Stress
Neben mehr Licht hilft generell mehr Natur, zeigen Untersuchungen. Sie tut uns gut. Aufenthalte in Grün- und Naturräumen werden in Studien unter anderem mit gemindertem Stress, besserem Wohlbefinden und mehr körperlicher Aktivität in Verbindung gebracht. Experimentelle Untersuchungen zeigen zudem, dass bereits ein etwa einstündiger Spaziergang in der Natur die Aktivität stressverarbeitender Hirnregionen wie der Amygdala beeinflussen kann. Auch Blutdruck und subjektives Stressempfinden können profitieren.
Vielleicht ist es also weniger das Orange eines einzelnen Ahornblattes als das Gesamtpaket: Wir bewegen uns hinaus ins Freie, sehen Weite und natürliche Formen, hören Blätter rascheln, riechen feuchte Erde. Dieser typische erdige Geruch entsteht unter anderem durch Geosmin, einen Duftstoff, den bestimmte Bodenmikroorganismen produzieren. Unsere Nase kann ihn bereits in extrem geringen Konzentrationen wahrnehmen. Gerüche sind außerdem besonders eng mit Hirnregionen verknüpft, die Emotionen und autobiografische Erinnerungen verarbeiten. Deshalb kann uns ein einziger Waldgeruch gedanklich unmittelbar in unsere Kindheit zurückversetzen.
Braunes Fett: Energie wird Wärme
Auch Kälte ist ein Signal an unseren Körper – unsere Thermoregulation ist durch die herbstlichen Temperaturen mehr gefordert: Die Blutgefäße der Haut verengen sich bei Kälte, um Wärmeverluste zu begrenzen. Bei wiederholter milder Kälteexposition kann zudem braunes Fettgewebe aktiviert werden. Anders als weißes Fettgewebe dient es vor allem der Wärmeproduktion: Seine Zellfabriken, die Mitochondrien, können Energie direkt in Wärme umwandeln. Studien zeigen, dass sich die Aktivität braunen Fettgewebes durch Kälteanpassung verändern kann. Das könnte den Energie- und Zuckerstoffwechsel günstig beeinflussen und womöglich helfen, schlank zu bleiben.
Gleichzeitig trocknet mit Beginn der Heizperiode die Luft in Innenräumen häufig aus. Das merken Haut und Schleimhäute; die Haut spannt und juckt schneller, unsere Lippen werden spröde, Nasen- und Augenschleimhäute können trockener werden. Sinkende Luftfeuchtigkeit begünstigt den Wasserverlust über die Haut und kann die ohnehin empfindliche Hautbarriere zusätzlich belasten. Behutsame, milde Reinigung, rückfettende Pflege, meine geliebte kaltgepresste Sheabutter und eine vernünftige Raumtemperatur helfen der Hautbarriere in dieser anspruchsvollen Zeit.
Innenräume begünstigen Übertragung
Dass im Herbst auch die Infekte zurückkehren, liegt übrigens nicht daran, dass eine kalte Nase automatisch eine Erkältung produziert. Erkältungen werden durch Viren verursacht. Wir halten uns wieder häufiger gemeinsam in Innenräumen auf, und so finden bestimmte Atemwegsviren günstigere Übertragungsmöglichkeiten. Allerdings kann Kälte auch die lokale Immunabwehr unserer Nasenschleimhaut beeinträchtigen.
Studien zeigen, dass niedrigere Temperaturen die Freisetzung antiviraler Abwehrpartikel aus den Schleimhautzellen vermindern können. Zusätzlich verengen sich bei Kälte die Blutgefäße der Schleimhäute, was möglicherweise die Versorgung mit Immunzellen verringert. Deshalb gehören Lüften, Handhygiene und – je nach Alter und individuellem Risiko – der Blick auf den Impfstatus ebenfalls zur Herbstvorsorge.
