Könnte Überlebenszeit fast verdoppeln
Neues Mittel gegen aggressive Krebsart vor EU-Zulassung
16.10.2026 – 11:46 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Ema hat ein neues Medikament gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zur Zulassung empfohlen. Was könnte das für Erkrankte bedeuten?
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Krebsarten. Eine Chance auf Heilung besteht nur, wenn Ärzte den Tumor früh genug entdecken und vollständig entfernen können. Doch bei vielen Patienten ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits so weit fortgeschritten, dass eine Operation nicht mehr infrage kommt. Das heißt: Die Behandlung kann den Krebs dann meist nur noch bremsen und Beschwerden lindern. Im besten Fall lässt sich wertvolle Lebenszeit gewinnen.
Für diese Patienten gibt es nun Aussicht auf eine weitere Behandlungsmöglichkeit: Die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) hat empfohlen, das neue Krebsmedikament Daraxonrasib zuzulassen, das unter dem Handelsnamen Rasonque auf den Markt kommen soll. In einer Studie mit 500 Patienten verlängerte der Wirkstoff die Überlebenszeit im Vergleich zu einer Chemotherapie deutlich.
Warum der Krebs so schwer zu behandeln ist
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lebt fünf Jahre nach der Diagnose noch etwa jeder zehnte Patient. Besonders schlecht sind die Aussichten, wenn sich bereits Metastasen, also Tochtergeschwülste in anderen Organen, gebildet haben. Dann lässt sich der Krebs in der Regel nicht mehr heilen.
Ärzte versuchen deshalb, sein Wachstum mit Medikamenten möglichst lange aufzuhalten. Bislang kommen dafür vor allem Chemotherapien zum Einsatz. Sie greifen Zellen an, die sich schnell teilen – allerdings nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen. Das kann erhebliche Nebenwirkungen verursachen.
Daraxonrasib wirkt anders als klassische Chemotherapien. Es blockiert sogenannte RAS-Eiweiße. Diese funktionieren wie Schalter, die Zellen zur Vermehrung anregen. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sind sie durch Veränderungen im Erbgut häufig dauerhaft eingeschaltet. Daraxonrasib soll diese Signale unterbrechen und so das Wachstum des Tumors bremsen.
Daraxonrasib mit einer weiteren Chemotherapie verglichen
Die internationale Studie RASolute 302 verglich Daraxonrasib mit einer weiteren Chemotherapie. Die 500 Teilnehmer hatten alle Bauchspeicheldrüsenkrebs, der bereits gestreut hatte und nach einer früheren medikamentösen Behandlung weitergewachsen war. Die Forscher teilten sie per Zufall in zwei Gruppen ein. Knapp 92 Prozent trugen eine häufige Form der RAS-Veränderung.
248 Patienten nahmen Daraxonrasib täglich als Tablette ein. Die übrigen 252 erhielten eine Chemotherapie, die ihre Ärzte auswählten. Alle Beteiligten wussten, welche Behandlung sie bekamen. Der Hersteller Revolution Medicines finanzierte die Untersuchung.
12,4 statt 6,7 Monate: der Unterschied
Patienten, die Daraxonrasib erhielten, lebten deutlich länger als jene, die eine Chemotherapie bekamen. Nach aktuellen Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur lag die Überlebenszeit bei 12,4 Monaten gegenüber 6,7 Monaten. Das bedeutet: Nach dieser Zeit war jeweils die Hälfte der Patienten gestorben. (In der ursprünglichen Studie lag der Wert für Daraxonrasib noch bei 13,2 Monaten. Die Ema berücksichtigt inzwischen neuere Daten.)
Auch der Zeitraum, in dem sich die Erkrankung nicht weiter verschlimmerte, fiel länger aus: 7,2 Monate mit der Tablette gegenüber 3,6 Monaten mit Chemotherapie.
Beschwerdefrei war die Behandlung nicht: Zu den häufigen Nebenwirkungen gehörten Durchfall, Hautausschlag, Entzündungen im Mund sowie Übelkeit und Erbrechen. In der veröffentlichten Studie brachen 1,2 Prozent die Tablettentherapie wegen behandlungsbedingter Beschwerden ab. Bei der Chemotherapie waren es 11,2 Prozent. Schwere gesundheitliche Komplikationen traten trotzdem in beiden Gruppen häufig auf.
