Gold auf Rekordkurs
Warum das Edelmetall so stark gefragt ist
11.10.2025 – 12:04 UhrLesedauer: 4 Min.

Gold erlebt ein Comeback – getrieben von Schulden, Unsicherheit und geopolitischen Spannungen. Doch wie lange hält der Höhenflug an?
Anfang Oktober durchbrach der Goldpreis die Marke von 4.000 Dollar pro Unze – ein Rekord, der selbst erfahrene Marktbeobachter staunen lässt. Zum ersten Mal seit fast drei Jahrzehnten übertreffen die Goldreserven der Zentralbanken ihre Bestände an US-Staatsanleihen. Weltweit verschiebt sich das Machtgefüge der Finanzmärkte – weg vom Dollar, hin zum glänzenden Edelmetall, das seit Jahrtausenden Vertrauen symbolisiert.
Was steckt hinter diesem beispiellosen Goldrausch? Und wie weit kann der Preis bis Ende 2025 noch steigen?
Laut Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei Spiekermann & Co, vollzieht sich gerade eine bemerkenswerte Trendwende. Der renommierte Ökonom Mohamed El-Erian, Präsident des Queens‘ College der Universität Cambridge, bestätigte jüngst: Zentralbanken halten erstmals seit 1996 mehr Gold als US-Staatsanleihen. „Diese Verschiebung ist kein Zufall, sondern eine bewusste Diversifizierungsstrategie, die durch die geopolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre beschleunigt wurde“, erläutert Kohlbrecher.
Die Zahlen belegen den Trend: 2024 kauften Zentralbanken über 1.000 Tonnen Gold – mehr als doppelt so viel wie der langjährige Durchschnitt von 473 Tonnen. Polen und die Türkei führen die Käuferliste an. Die globalen Zentralbankreserven stiegen auf über 36.000 Tonnen. Ihr Marktanteil kletterte seit 2010 von zwei auf 23 Prozent – sie sind heute die größten Nachfrager am Goldmarkt.
Zugleich spiegelt die Entwicklung laut Kohlbrecher auch den wachsenden Vertrauensverlust in den US-Dollar wider. Analyst Jens Klatt vom Online-Broker XTB verweist auf die politische Unsicherheit: „Trumps Angriffe auf Institutionen wie die Fed lassen Zweifel aufkommen, ob die USA die globalen Märkte weiterhin anführen können.“
Kohlbrecher ergänzt: „Trump hat angekündigt, Fed-Chef Jerome Powell ablösen zu wollen und drängt zugleich öffentlich auf Zinssenkungen.“ Das verstärke bei vielen Zentralbanken die Sorge vor einer Politisierung der US-Geldpolitik.
China reagiert darauf, indem das Land mit über 1,4 Milliarden Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 18,75 Billionen US-Dollar seine US-Staatsanleihen seit dem Ukraine-Krieg von 1,1 Billionen auf etwa 775 Milliarden Dollar reduziert und stattdessen massiv in Gold investiert.
Über die Shanghai Gold Exchange, die weltweit größte Börse für physisches Gold, ermutige die People’s Bank of China sogar verbündete Staaten, Goldbarren zu kaufen und im eigenen Land zu lagern. Indirekt profitierten davon auch die USA als größter Goldhalter der Welt, sagt XTB-Analyst Klatt.
Gold gilt seit Jahrzehnten als Gradmesser für Vertrauen und Stabilität. Kaum ein anderes Anlagegut reagiert so sensibel auf wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen.
Die folgende Grafik zeigt, in welchen Jahren der Preis für das Edelmetall an der Börse besonders stark gestiegen ist:















