Laut Studie
Dieses Genussmittel steigert womöglich das Arthrose-Risiko
07.10.2026 – 15:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine große Studie aus Südkorea deutet darauf hin, dass der Genuss von Alkohol mit einer verbreiteten Gelenkerkrankung zusammenhängen könnte.
Schmerzende Knie, steife Finger oder Probleme mit der Hüfte: Arthrose kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Als Risikofaktoren gelten unter anderem höheres Alter, Übergewicht und frühere Gelenkverletzungen. Eine neue Forschungsarbeit legt nun nahe, dass auch der Alkoholkonsum eine Rolle spielen könnte. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Osteoarthritis and Cartilage“.
Je mehr Alkohol, desto höher das Risiko
Für die Untersuchung nutzte das Autorenteam Daten der südkoreanischen gesetzlichen Krankenversicherung und wertete Gesundheitsinformationen von mehr als 1,2 Millionen Erwachsenen ab 40 Jahren aus. Zu Beginn hatte keiner der Teilnehmer eine diagnostizierte Arthrose. Im Durchschnitt beobachteten die Wissenschaftler die Menschen fast zehn Jahre lang.
Dabei ergab sich ein Zusammenhang zwischen der konsumierten Alkoholmenge und dem Auftreten neuer Arthrosefälle. Verglichen mit Teilnehmern, die keinen Alkohol tranken, war die Rate neuer Diagnosen bei Personen mit geringem Konsum um 3,7 Prozent erhöht. Bei mäßigem Konsum betrug der Unterschied 8,1 Prozent, bei starkem Konsum 18,6 Prozent. Als starken Konsum definierten die Forscher dabei mindestens 30 Gramm reinen Alkohol täglich bei Männern und mindestens 20 Gramm pro Tag bei Frauen.
Wie viel Alkohol ist unbedenklich?
Bis August 2024 galten für Frauen maximal 10 Gramm und für Männer 20 Gramm reiner Alkohol pro Tag als tolerierbare Mengen. Diesen Richtwert hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) inzwischen revidiert und betont, dass es keine gesundheitlich risikofreie Alkoholmenge gibt. Sie empfiehlt, möglichst ganz darauf zu verzichten. Zur Orientierung: Ein Glas Wein (150 ml, 12 Vol.-%) enthält etwa 14 Gramm, eine Flasche Bier (500 ml, 5 Vol.-%) rund 20 Gramm reinen Alkohol.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Bei Frauen zeigte sich bereits bei geringem Alkoholkonsum (weniger als 10 Gramm Alkohol am Tag) ein Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko: Die Rate neuer Arthrosediagnosen lag in dieser Gruppe um 6,3 Prozent höher als bei Frauen, die keinen Alkohol tranken. Bei Männern ließ sich bei geringem Konsum dagegen kein erhöhtes Risiko feststellen. Ob dieser Unterschied tatsächlich auf das Geschlecht zurückzuführen ist, müssen weitere Untersuchungen klären.
Verursacht Alkohol den Gelenkverschleiß?
Die Studie belegt nicht, dass Alkohol Arthrose direkt verursacht. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich lediglich ein Zusammenhang feststellen. Womöglich haben auch andere, nicht erfasste Faktoren die Ergebnisse beeinflusst.
Zudem stammen die Angaben zum Alkoholkonsum aus Selbstauskünften der Probanden und könnten ungenau sein. Etwa, weil Teilnehmer ihre Trinkmenge unterschätzen oder sich nicht mehr genau erinnern. Insbesondere Menschen mit hohem Alkoholkonsum könnten weniger Alkohol angegeben haben, als sie tatsächlich tranken. Ob sich die Ergebnisse aus Südkorea ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, ist unklar.
Allerdings blieb der Zusammenhang auch dann bestehen, wenn die Forscher Menschen mit normalem Gewicht und normaler Leberfunktion gesondert betrachteten. Übergewicht oder Leberprobleme allein scheinen die Ergebnisse demnach nicht zu erklären.
Die Studienautoren vermuten, dass Entzündungsprozesse und oxidativer Stress eine Rolle spielen. Die hierbei entstehenden aggressiven Sauerstoffverbindungen können Zellen schädigen. Chronischer Alkoholkonsum könnte solche Prozesse fördern und damit möglicherweise auch den Gelenkknorpel beeinträchtigen. Bereits frühere Studien an Mäusen liefern Hinweise darauf, dass Alkohol arthroseähnliche Veränderungen im Knorpel begünstigen kann. Ob diese Mechanismen auch beim Menschen für den beobachteten Zusammenhang verantwortlich sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
