Nahrungsergänzungsmittel
Warum Probiotika für einen gesunden Darm nicht reichen
14.09.2026 – 17:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Probiotische Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Ein Fortschritt für die Gesundheit ist dieser Trend aber wohl nicht.
Sogenannte Probiotika enthalten spezielle Bakterienkulturen, die im Darm ihre gesundheitliche Wirkung entfalten sollen. Immer mehr Menschen greifen zu solchen Präparaten, um ihrem Darm etwas Gutes zu tun. Eine neue, große US-Studie zeigt allerdings, dass sich die Ernährung an einem entscheidenden Punkt kaum verbessert hat: Ausgerechnet die Ballaststoffzufuhr, die für eine gesunde Darmflora nachweislich notwendig ist, bleibt weit hinter den Empfehlungen zurück.
Gut zu wissen
In der Europäischen Union gilt der Begriff „Probiotika“ rechtlich als nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Daher kommt das Wort „probiotisch“ auf Verpackungen von Lebensmitteln (zu denen auch Nahrungsergänzungsmittel zählen) sowie in Werbeaussagen über die entsprechenden Produkte nicht mehr vor.
Ernährungsgewohnheiten im Fokus
Die Studie sollte klären, wie der Konsum von Probiotika mit den Ernährungsgewohnheiten zusammenhängt. Dazu wertete ein Forschungsteam Daten des US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey aus, einer großen, repräsentativen Gesundheitserhebung mit über 62.000 teilnehmenden Personen.
Die Auswertung ergab: Zwischen 2009 und 2023 hat sich der Anteil der Erwachsenen in den USA, die Probiotika einnehmen, fast vervierfacht. Bei den unter 20-Jährigen stieg er in jenem Zeitraum sogar um mehr als das Achtfache. Gleichzeitig blieb die tägliche Ballaststoffzufuhr nahezu unverändert und lag damit in allen Altersgruppen deutlich unter der empfohlenen Menge.
Wer Probiotika einnahm, aß im Durchschnitt zwar etwas mehr Ballaststoffe und Lebensmittel mit hoher mikrobieller Dichte – wie etwa rohes Obst, Gemüse oder fermentierte Produkte. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass sich dieser Ernährungsvorsprung mit der Zeit abschwächt.
Kein Ersatz für eine gesunde Ernährung
Das Forschungsteam befürchtet, dass manche Menschen Nahrungsergänzungsmittel als Ausgleich für eine weniger hochwertige Ernährung betrachten könnten. Für die Darmgesundheit wäre das ungünstig, denn: Ballaststoffe aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten dienen vielen Darmbakterien als wichtige Nahrungsquelle. Zusammen mit Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenstoffen fördern sie die Vielfalt der Darmflora.
Ein probiotisches Präparat enthält aber nur einzelne, ausgewählte Bakterienstämme und kann somit nicht dasselbe leisten wie eine ausgewogene Ernährung. Studienautorin Kira L. Newman beschreibt den Unterschied zur Vielfalt einer gesunden Darmflora so: „Es ist, als würde man eine einzelne Farbe aus einem Regenbogen herauspicken.“
Was für einen gesunden Darm wichtig ist
Das Forschungsteam plädiert deshalb dafür, den Fokus stärker auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit vielfältigen und möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln zu legen, statt sich auf probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu verlassen.
Dies ist umso wichtiger, als der positive Effekt von Probiotika auf die Gesundheit wissenschaftlich nicht hinreichend belegt ist. Ein Nutzen ist bislang nur für drei Stämme von Milchsäurebakterien nachgewiesen: Sie können bei Laktoseintoleranz die Verdauung von Milchzucker verbessern.














