Bei der Caritas muss man sich zu christlichen Werten bekennen. Ist das im Jahr 2025 noch zeitgemäß – oder schließt es wichtige Fachkräfte aus?
Die Caritas ist ein Wohlfahrtsverband mit Mitarbeitenden unterschiedlicher Konfessionen und Hintergründe. Sie leisten ihre Arbeit mit Empathie für die Menschen und Begeisterung für unsere Ambition. Wir sehen unsere Dienste und Angebote als tätige Nächstenliebe. Wer das nicht mag, wird sich bei uns dauerhaft eher nicht wohlfühlen. Aber zu denken, dass wir nur Christinnen und Christen beschäftigen, ist falsch.
Die Caritas finanziert sich zum Großteil über staatliche Mittel, eigene Dienste und Spenden – nicht direkt aus der Kirchensteuer. Kritiker nennen die Caritas dennoch einen „Kirchensteuerapparat“. Ärgert Sie das?
Nein. Unsere Einrichtungen werden in vieler Hinsicht genauso finanziert wie alle sozialen Träger. In einer Pflegeeinrichtung zum Beispiel kommen wesentliche Teile über die Pflegeversicherung und die Eigenanteile der Pflegebedürftigen, egal ob die Einrichtung von der Caritas, der AWO oder einem privaten Anbieter betrieben wird. Kirchensteuermittel sind aber unverzichtbar, um dort helfen zu können, wo es keine oder ungenügende öffentliche Finanzierung gibt – etwa in den Bahnhofsmissionen oder in der Wohnungslosenhilfe. Sie geben uns auch die Möglichkeit, schnell und unbürokratisch innovative Ideen umzusetzen, ohne auf lange Förderverfahren zu warten. Dabei greifen wir zusätzlich auch auf Spenden zurück, aber allein damit könnten wir diese Arbeit nicht absichern. Die Kirchensteuer ist eine verlässliche Grundlage, die uns handlungsfähig macht – und dafür sind wir sehr dankbar.
Reichen denn die aktuellen Mittel aus?
Das ist von Bistum zu Bistum unterschiedlich – auch abhängig von der Entwicklung der Kirchenmitglieder. Viele unserer armutsbezogenen Angebote sind prekär finanziert. Gerade in Bereichen, in denen wir schnell und direkt helfen wollen, stoßen wir in einigen Regionen finanziell an Grenzen. Zusätzliche Kirchensteuermittel würden uns mehr Handlungsspielraum geben.
Frau Welskop-Deffaa, vielen Dank für das Gespräch.













