September 7, 2026 8:20 a.m. CEST

Option zwei: Das BSW-Wunschmodell

Die Wagenknecht-Partei vertritt offiziell ein anderes Modell: Ein „überparteilicher Ministerpräsident“ soll mit wechselnden Mehrheiten regieren, unter Einbeziehung der AfD. Nur: Keine andere Partei hat Zustimmung für eine solche Lösung erkennen lassen. Und Wagenknecht hat auch nie gesagt, wer diese „überparteiliche“ Persönlichkeit sein könnte. Man wolle vorab keine Namen verbrennen, hieß das Argument.

Klar ist, dass AfD-Wahlsieger Siegmund bei diesem Konzept auf das Amt des Regierungschefs verzichten müsste. Ist das eine realistische Option und könnte das funktionieren? Aus anderen Ländern seien „Expertenregierungen“ oder „Technokratenregierungen“ durchaus bekannt, sagt Thomeczek. „Italien hat damit so ein bisschen Erfahrung gesammelt. Mario Draghi war ja bis zur vorletzten Wahl mal so eine Art technokratischer Premier, der dann auch von mehreren Parteien getragen wurde.“

Knackpunkt ist aus seiner Sicht die Annahme, dass eine solche Persönlichkeit quasi unabhängig wäre. „Jemanden jetzt zu finden, der absolut neutral ist, wird glaube ich nicht möglich sein“, sagt der Experte. „Das müsste ja auch heißen, dass man da eine politische komplette Beliebigkeit hätte, also dass das ihm eigentlich alles egal wäre. Und mit so einer Person kann man das Land, glaube ich, auch nicht führen.“

Was das Ergebnis für die Partei bedeutet

Wie eine Zusammenarbeit von AfD und BSW aussehen und was das BSW auf Landesebene genau bewirken könnte, bleibt also erstmal nebulös. Dass sich die Wagenknecht-Partei überhaupt diese Position erobert hat, ist für sie jedoch in jedem Fall ein Coup. Denn die letzten Monate waren für die erst 2024 gegründete Partei mehr als schwierig.

Seit dem knappen Scheitern bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 fehlte Wagenknecht die mediale Bühne, der Einfluss und auch die klare Linie. Sie ging auf Distanz zu den Regierungsbeteiligungen des BSW in Brandenburg und Thüringen, die sie ursprünglich durchaus unterstützt hatte.

Bei Umfragewerten von durchgängig weniger als fünf Prozent in Sachsen-Anhalt drehte Wagenknecht im Wahlkampf rhetorisch auf. Sie erteilte jeder Koalition mit den etablierten Parteien eine Absage, sie verdammte die Brandmauer zur AfD, bot dem Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke Gespräche an.

Interner Zwist

Damit spitzte sich der Konflikt mit dem Thüringer BSW-Landesverband so zu, dass vergangene Woche die Landesspitze um die stellvertretende Ministerpräsidentin Katja Wolf aus der Partei austrat. Ausgerechnet in den Wahlabend von Sachsen-Anhalt platzte die Nachricht, dass Wolf und Co eine neue Partei gründen wollen.

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