Wadephul überrascht mit Lawrow-Treffen
Doch dann, Samstagmorgen 10.30 Uhr, plötzlich Alarm. Sehr kurzfristig gab die deutsche Delegation bekannt, dass Wadephul den russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen werde. Im Büro der Russen im zweiten Stock UN-Hauptquartier. Einem Büro, in dem ein großes Bild von Wladimir Putin an der Wand hängt.
Dann wurde es hässlich. Eine Schar russischer Journalisten und Kameraleute bedrängte Wadephul, dieser wurde von seinem Team abgeschirmt. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa fuhr ein Mitglied der deutschen Delegation an. Auf die Aussage, dass Deutschland und Russland mit Blick auf die Journalisten im Raum die gleichen Interessen verfolge, sagte sie: Das würde man definitiv nicht tun.
Schnell wurde klar: Es war ein Gespräch unter Feinden. Die Stimmung blieb frostig. Der Kreml und die Bundesregierung trugen ihre Standpunkte vor, etwa 20 Minuten sprachen Wadephul und Lawrow. Fortschritte gab es dabei nicht, stattdessen verhärtete Fronten.
Das wurde spätestens durch Lawrows anschließende Rede vor der UN-Vollversammlung klar, in der er auch Deutschland eine Rückkehr zum Nazismus, Revanchismus und Militarismus attestierte. Das ist vor allem bemerkenswert, weil die russische Armee seit viereinhalb Jahren in der Ukraine Krieg führt.
„Sie hätten mich anrufen können“
Das Gespräch mit Lawrow war ein Stresstest für den deutschen Außenminister. Obwohl es keinen Fortschritt brachte, wird Wadephul im Gespräch mit den Tagesthemen am Nachmittag (Ortszeit) eine positive Bilanz ziehen. „Mit Freunden muss man nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln“, sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul in den ARD-Tagesthemen. Daher sei das Gespräch mit Sergej Lawrow sinnvoll gewesen, auch wenn es kein positives Ergebnis gebracht habe. „Aber allen, die immer wieder sagen, Deutschland muss verhandeln, Deutschland muss mal mit Russland reden, denen erwidere ich jetzt: Das tun wir.“
Die Anfeindungen von Lawrow ignorierte der deutsche Außenminister später einfach. Es war keine Überraschung, dass sich Lawrow kompromisslos zeigte. Der russische Außenminister sieht keinerlei Fortschritte durch das Gespräch mit Wadephul. „Wenn man Berlins tägliche öffentliche Äußerungen betrachtet, habe ich nichts anderes gehört“, sagte Lawrow bei einer Pressekonferenz am Samstagmittag. Er habe dem deutschen Außenminister gesagt: „Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können ‚Lesen Sie meine Erklärung‘.“














