Juli 29, 2026 5:49 p.m. CEST

Große Ernüchterung

KI-Frust: Viele Angestellte wollen ihr altes Leben zurück


Aktualisiert am 29.07.2026 – 16:31 UhrLesedauer: 3 Min.

Mitarbeiter in einem Architekturbüro (Symbolbild): Zwischen KI-Tempo und Kreativität wächst die Sehnsucht nach früher. (Quelle: South_agency)

Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz bekommt erste Risse. Eine aktuelle Studie zeigt, warum sich viele Mitarbeiter eine Zeit vor KI zurückwünschen.

Eine Revolution namens Künstliche Intelligenz verändert die Lebenswelt der Menschen jeden Tag ein Stück mehr. An den Börsen treiben KI-Aktien die Kurse, im Berufsalltag übernimmt KI immer mehr Aufgaben. KI-Pioniere wie OpenAI-Chef Sam Altman (ChatGPT), xAI-Gründer Elon Musk (Grok) oder Nvidia-CEO Jensen Huang zeichnen dabei ein Bild einer Zukunft mit mehr Wohlstand und Freiheit.

Doch was aus Sicht der Tech-Milliardäre wie ein Fortschrittsversprechen klingt, hinterlässt bei vielen Menschen einen faden Beigeschmack. Wie kritisch Beschäftigte den Einsatz von KI inzwischen sehen, zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Adaptavist. Die Ergebnisse machen deutlich: Viele fürchten, durch Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden – und wünschen sich die Zeit vor generativer KI zurück.

Die große KI-Ernüchterung im Berufsalltag

Seit der Veröffentlichung von ChatGPT im Herbst 2022 haben sich KI-Modelle rasant weiterentwickelt. Doch mit diesem Tempo kommen viele Beschäftigte offenbar nicht mehr mit.

Die Studie von Adaptavist zeigt eine deutliche Sehnsucht nach der Arbeitswelt vor generativer KI. Fast drei Viertel (72 Prozent) der 2.500 befragten Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter aus Großbritannien, den USA, Kanada, Spanien und Deutschland blicken regelmäßig auf die Zeit vor dem Einsatz generativer KI zurück. 41 Prozent geben sogar an, sie würden entsprechende KI-Tools komplett abschaffen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Als Wissensarbeiter bezeichnet die Studie Beschäftigte, deren wichtigstes Kapital ihr Wissen ist. Dazu zählen unter anderem Ärzte, Apotheker, Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler, Designer, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und Redakteure.

Grafikerin am Schreibtisch: Sehnsucht nach früher, weil minderwertige KI-Inhalte Kreativität entwerten und Teams bremsen. (Quelle: SrdjanPav)

Warum viele Beschäftigte ihre Arbeit entwertet sehen

Am stärksten ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Zeit vor KI bei der Generation Z (1997 bis 2012): 40 Prozent würden die Entwicklung am liebsten zurückdrehen. Bei der Generation X (1965 bis 1980) liegt der Anteil bei 22 Prozent, bei den Babyboomern (1946 bis 1964) bei 29 Prozent.

Einer der Hauptgründe ist laut den Studienautoren der wachsende Konflikt zwischen kreativer Freiheit und ethischer Verantwortung. Viele Wissensarbeiter sind überzeugt, dass ihre Arbeit vor der breiten Einführung generativer KI einen höheren Stellenwert hatte.

Als häufigste Gründe nennen die Befragten sinnentleerte Arbeit (45 Prozent), Kreativitätsverlust (25 Prozent) und ethische Bedenken (20 Prozent). Viele glauben, dass KI immer weniger Raum für Kreativität lässt. Gleichzeitig sinkt die Motivation, weil die Beschäftigung mit sogenanntem „KI-Müll“ den Eindruck vermittelt, die eigene Arbeit verliere an Sinn.

Hinzu kommen die sogenannten Verifizierungskosten. Mehr als jeder dritte Beschäftigte (39 Prozent) investiert laut Studie mehr Zeit in die Überprüfung, Korrektur und Validierung von KI-Ergebnissen, als durch deren Nutzung tatsächlich eingespart wird.

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