Juli 29, 2026 7:10 p.m. CEST

Utopische Preise

Hier können sich selbst Gutverdiener kein Haus mehr leisten

Aktualisiert am 29.07.2026 – 16:53 UhrLesedauer: 3 Min.

Potsdams Skyline: Teures Pflaster – die ostdeutsche Stadt gehört zu den teuersten Regionen Deutschlands. (Quelle: Nikada)

Wo in Deutschland ist das Eigenheim noch bezahlbar – und wo längst außer Reichweite? Eine neue Auswertung zeigt überraschende Gewinner und die bekannten Verlierer.

Wer in Deutschland ein günstiges Einfamilienhaus sucht, wird nach einer Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts IW Köln quasi nur noch auf dem Land und in strukturschwachen Regionen fündig. Im Vergleich der sechzehn Bundesländer sind Eigenheime demnach im Saarland, Schleswig-Holstein und in Sachsen-Anhalt am billigsten.

Ein typischer Modellhaushalt muss dort im Schnitt gut ein Viertel des Nettoeinkommens für die monatlich fällige Rate des Immobilienkredits ausgeben. Am anderen Ende der Skala stehen Berlin, Bayern und Hamburg, wo die Abzahlung des Immobilienkredits im Schnitt an die vierzig Prozent des Nettoeinkommens oder mehr verschlingt. Das teilte der Finanzierungsvermittler Interhyp mit, der die Studie bei den Kölner Ökonomen in Auftrag gegeben hatte.

Gut ein Drittel des Monatseinkommens bei Finanzierung tragbar

IW-Immobilienfachmann Michael Voigtländer und seine Mitarbeiter werteten die Einfamilienhauspreise in sämtlichen 400 Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands aus. Dabei gingen die Ökonomen von einer Familie mit zwei Kindern und einem für Eigenheiminteressenten typischen Einkommen im siebzigsten Perzentil aus – also Käufer mit höherem Einkommen als 70 Prozent der deutschen Haushalte.

Als tragbar gelten im „Erschwinglichkeitsindex“ monatliche Ausgaben für die Immobilie von bis zu 35 Prozent des Nettoeinkommens. Im Index ist dieser Wert durch die Zahl 100 markiert. Je weiter der Index unter 100 liegt, desto weniger erschwinglich ist die Immobilie, je höher er über 100 liegt, desto eher ist sie leistbar.

Hamburgs Hafencity: In Metropolen wie Hamburg verschlingt die Kreditrate oft 40 Prozent oder mehr des Haushaltseinkommens. (Quelle: Nellmac)

Der bundesweite Durchschnittswert liegt bei 103, doch sind die regionalen Preisunterschiede immens. Wenig überraschend: Neben dem seit Jahrzehnten bekannt teuren München liegen auch die sechs übrigen größten deutschen Städte sowie deren Umland im eher unerschwinglichen Bereich des Indexes.

Anders sieht es in kleineren Großstädten und deren Nachbarlandkreisen aus, wo ein Musterhaushalt laut Studie im Schnitt etwa ein Drittel seines Einkommens für die Abzahlung des Einfamilienhauses ausgeben muss und damit noch im Rahmen der Erschwinglichkeitsformel liegt.

Immense Unterschiede auch innerhalb der Länder

Doch auch die Durchschnittspreise in den Ländern verdecken zum Teil große regionale Unterschiede: Am leichtesten erschwinglich sind Einfamilienhäuser im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein (Indexwert 187) und im Kreis Rhön-Grabfeld, Bayerns nördlichstem Landkreis in Unterfranken (184). Dort verzehrt der Hauskauf weniger als ein Fünftel des Nettoeinkommens des angenommenen Musterhaushalts.

Teuerste Regionen: München und neun Umlandkreise

Für eine Mehrheit unbezahlbar hingegen ist ein Eigenheim am anderen Ende der Republik im Kreis Garmisch-Partenkirchen mit einem Indexwert von 53. Am oberbayerischen Alpenrand müsste sogar der einigermaßen betuchte Musterhaushalt zwei Drittel seines Nettoeinkommens für die Monatsrate ausgeben. Garmisch steht nicht allein: Die Top Ten der zehn teuersten Kommunen und Städte werden sämtlich von München und den Kreisen rund um die bayerische Landeshauptstadt und im Alpenvorland in Beschlag genommen.

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